Nein-Sagen

4 Tipps, um konstruktiv Nein zu sagen

17.30 im Supermarkt. Vor mir an der Kasse eine Dame mit proppenvollem Einkaufswagen. Ich, einen Liter Milch in der Hand, frage höflich:

Entschuldigen sie bitte, würden sie mich vor lassen?

Die Dame schaut mich an, schaut mein Milchpakerl an, schaut wieder mich an und sagt ziemlich bestimmt: „NEIN!

Ende der Konversation.

Ich war kurz baff und dann war ich fasziniert.
Mal ehrlich: Wie leicht fällt es dir einfach so „Nein“ zu sagen – ganz ohne Erklärung und ohne Rechtfertigung?

Und zwar Nein zu sagen nicht nur zu Menschen, die sich an der Supermarktkasse vordrängeln wollen, sondern zu den vielen Anfragen, Aufgaben, Bitten und Angeboten, die so im Laufe des Tages auf dich einprasseln und nicht deinen Prioritäten entsprechen, dich vom Wesentlichen ablenken oder die du schlicht und einfach nicht tun möchtest.

Es ist ein offenes Geheimnis, dass extrem produktive, extrem kreative und extreme geniale Menschen alle die Angewohnheit haben glasklar Nein zu sagen. Das schafft überhaupt erst den Raum, Ja zu sagen zu dem, was wirklich zählt.

Aber vermutlich weißt du längst, wie wichtig es ist, bewusst zu entscheiden, wie du deine begrenzte Zeit investieren willst und dass das nun einmal viele Neins zu anderen Dingen erfordert. Wenn es dir trotzdem oft schwer fällt, Nein zu sagen, kann ich dich beruhigen: So geht es vielen.

  • Wir wollen gemocht werden.
  • Wir wollen niemanden verletzen oder vor den Kopf stoßen.
  • Wir wollen niemanden, der für uns wichtig ist, verärgern.
  • Wir denken, das mach ich schnell, und unterschätzen, wie lange es dauert.
  • Wir haben unsere Prioritäten nicht klar vor Augen.
  • Wir fühlen uns gut dabei, anderen zu helfen.
  • Wir wollen bei jemandem einen Stein im Brett haben.

Ganz oft steckt dahinter das Gut-dastehen-wollen Syndrom. Meine Dame im Supermarkt war offensichtlich befreit von dieser „Krankheit“. Ihr war es egal, was ich denke und wie ich das jetzt finde, dass sie meine Bitte einfach so ablehnt.

Leichter Nein sagen

Wenn du da, so wie ich, noch Probleme hast mit einem „Nein“ und Punkt, dann können dir diese 4 Tipps weiterhelfen, um das ganze freundlicher und konstruktiver über die Bühne zu bringen.

1. Nein, weil…

Erst einmal wollen wir festhalten, dass ein „Nein“ genug ist. Du schuldst niemandem eine Rechtfertigung dafür, WARUM und WESHALB du etwas nicht tun möchtest. (Ausgenommen dann, wenn du extra dafür bezahlt wirst, das zu tun, oder wenn du es vorab versprochen und zugesagt hast.)

Aber selbst wenn du nicht dazu verpflichtet bist, ist ein Nein mit einer kurzen Erklärung für den anderen oft leichter zu schlucken. Also so etwas wie:

  • Nein, da bin ich nicht wirklich kompetent.
  • Es tut mir leid, ich hab eine Deadline im Nacken sitzen, das geht sich nicht aus.
  • Nein, mein Kind ist krank zu Hause.

Solche Begründungen mögen vielleicht nicht immer der reinen Wahrheit und nichts als der Wahrheit entsprechen, aber sie dienen einem friedlichen Miteinander und erleichtern das Neinsagen manchmal sehr.

2. Ich nicht! Wer dann?

Erst unlängst hatte ich eine Anfrage für ein Interview. Erstens, zu einem Thema, zu dem ich nicht wirklich etwas zu sagen habe. Zweitens, zu einem Zeitpunkt, wo ich ohnehin schon zu viel um die Ohren hatte.
Nachdem ich mich in der Regel über Interviews freue, sage ich so etwas ungern ab. Zum Glück ist mir gleich eine kompetente Kollegin eingefallen, die das gerne übernommen hat. So konnte ich entspannt Nein sagen und trotzdem waren alle Beteiligten happy.

Bei manchen deiner „Neins“ gibt es mit Sicherheit die eine oder andere Person, die gerne für dich entspringt. Selbst Aufgaben, die du überhaupt nicht magst, macht jemand anderer vielleicht total gerne.

3. Jetzt nicht! Wann dann?

Manchmal kommt es ja vor, dass einfach nur der Zeitpunkt für eine Anfrage, eine Einladung oder eine Bitte ungünstig ist. Dann heißt die Antworten eben „Nein, jetzt nicht. Dann und dann ist das möglich.

Das funktioniert gut, wenn du beispielsweise gerade eine Aufgabe fertig machen möchtest und weißt, dass du später wirklich Zeit und Muse hast.

Achte aber darauf, dass du nicht jede Lücke, die du später hast, mit Dingen füllst, die du in Wahrheit gar nicht tun möchtest, nur weil´s jetzt bequemer ist zu sagen, das mache ich später.

Je weiter du die Dinge nach hinten verschiebst, desto größer ist die Gefahr, dich mit dem „Falschen“  zuzupflastern.

Warum das? In der Zukunft schaut der Terminkalender oft recht leer aus.
Da ist man schnell in Versuchung, sich auf Aufgaben, Termine oder Meetings einzulassen, die man eigentlich gar nicht machen möchte. Und dann rückt die Woche näher und der Kalender wird immer voller und dann ist da diese Verpflichtung, die man nur noch schwer los wird, weil man ja zugesagt hat.

Etwas auf später zu verschieben ist also nur sinnvoll, wenn du sicher bist, dass du das ernst meinst!

4. So nicht! Wie dann?

Last but not least geht es manchmal nur darum, das „Wie“ und „Was“ abzuändern.

Vielleicht hast du keine Zeit oder keine Lust, jemanden zum Lunch zu treffen, aber ein Kaffee-Quickie geht sich aus. Vielleicht lassen es deine Prioritäten nicht zu, eine Mail-Anfrage lang und breit zu beantworten, aber ein kurzes Telefonat bekommst du unter, um die Angelegenheit zu klären. Oder umgekehrt, ein persönliches Gespräch dauert dir zu lange, aber per Mail stehst du gerne Rede und Antwort.

Spüre nach, ob du etwas an sich nicht tun möchtest, oder ob es um die Art und Weise geht, die nicht in dein „Konzept“ oder nicht zu deinem Wesen passt.

Beim sinnvollen Neinsagen geht es nicht darum, rigoros zu allem Nein zu sagen!

Sinnvolles Neinsagen bedeutet, sich im Klaren darüber zu sein, wie du deine Zeit nutzen möchtest.
Den Mut aufzubringen, klipp und klar Nein zu sagen, wenn du etwas wirklich nicht tun willst (warum auch immer).
Und in manchen Fällen deine Kreativität spielen zu lassen, um Nein zu sagen und gleichzeitig gute Alternativen anzubieten.

Was hilft dir, Nein zu sagen?

Go for flow!

Su Coach

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