Anfängergeist

Mit einem Anfängergeist durchs Leben gehen.

[Jeden Sonntag gibt es hier eine Intention der Woche – eine Absicht, die ich mir für die nächsten 7 Tage setze. Du bist herzlich eingeladen mitzumachen.]

Heute hat ein neues Jahr begonnen. Symbolisch ein Neubeginn.

Praktisch ändert sich für die meisten von uns in der Außenwelt nichts.
Ein neues Jahr – ja, und? Der Job – das meiste Routine. Der Partner – noch immer derselbe (oder: noch immer keiner da). Der Alltag – wie immer. Wieder ein Urlaub in XY – gähn. Kenn ich schon. Alles schon mal dagewesen. Alles schon erlebt.

Blöd, denn an Neues gehen wir normalerweise mit Aufmerksamkeit, Offenheit und Neugier heran statt mit vorgefertigten Meinungen und fixen Vorstellungen. So ist das Leben ungleich spannender und schöner.

Laut Hirnforschung erlebt ein Kleinkind zwanzig bis fünfzig Mal am Tag einen Zustand größter Begeisterung. Kleine Kinder brauchen keine Drogen, um high zu sein und das Leben im Jetzt zu genießen. Jeder Tag ist bedeutsam und interessant. Voller neuer Erlebnisse und Erfahrungen. Voller Überraschungen und Erkenntnisse. Voller Flow.

Kennst du die berühmte Zen-Geschichte von der Tee-Tasse?

Ein Schüler suchte einen weisen Meister auf und bat um Unterweisung.
Der Meister antwortete auf all seine Fragen, doch der junge Mann hörte gar nicht richtig zu. Immer wieder unterbrach er den Meister, sprach über seine Sicht der Dinge und darüber, was er schon alles gelernt hat.

Nach geraumer Zeit bot ihm der Meister eine Tasse Tee an. Sorgfältig goss er den Tee in die Schale, bis die Schale voll war und überzufließen begann. Doch der Meister goss in aller Ruhe weiter, obwohl der Tee bereits vom Tisch tropfte. Schließlich konnte sich der Schüler nicht länger beherrschen und rief:
„Stopp! Die Schale ist voll. Da passt nichts mehr rein!“
„Genau wie dein Geist“ erwiderte der Meister gelassen.

Unser Geist ist voll statt offen

Normalerweise ist unser Geist ist so voll gefüllt mit den Eindrücken, die wir in der Vergangenheit gesammelt haben, dass wir die Welt wie durch Brillengläser wahrnehmen, die durch unsere bisherigen Erfahrungen vollkommen verfärbt sind. Wir erleben die Welt nicht mehr, wie sie ist, sondern nur so, wie wir denken, das sie ist.

So bleibt kein Platz für Neues. Wir können nichts erleben, erfahren oder lernen, solange wir meinen, schon alles zu kennen – gesehen, erlebt und begriffen zu haben – und zu wissen, wie der Hase läuft. Wir sind nicht offen, neugierig und bereit, uns vom Leben überraschen zu lassen.

Das möchte ich ändern. Darum übe ich mich diese Woche darin, meinen Geist zu öffnen und an alle Dinge „neu“ heran zu gehen – selbst wenn ich etwas schon tausende Male getan habe.

Diese Woche gehe ich offen und neu an alles heran

Aus dem Zen stammt ein Konzept, das mir hier weiterhilft: der Anfängergeist – auch Zen-Geist genannt.

Der Anfängergeist ist weit und leer. Es ist ein Geist, der offen ist für neue Erfahrungen und Entdeckungen. Der Anfängergeist ist im Hier und Jetzt, in der Gegenwart präsent, statt mit der Vergangenheit oder der Zukunft beschäftig zu sein. Im Zen-Geist begegnen wir dem Leben in jedem Moment aufs Neue.

Ich tue diese Woche so, als ob alles zum ersten Mal passiert, egal ob es sich ums Zähneputzen, das Frühstück, den Weg in den Fitness-Club, die Begegnung mit einem vertrauten Menschen oder eine Routinearbeit handelt. Anstatt davon auszugehen, dass alles so ist wie es immer ist, bin ich neugierig und offen für das, was hier und jetzt  tatsächlich ist.

Alles ist „neu“ und interessant für mich. Egal, was passiert, es hat noch kein Etikett. Egal, mit wem ich es zu tun habe, der Mensch steckt noch in keiner Schublade. Egal, was ich erlebe, ich urteile nicht darüber, ob das jetzt gut oder schlecht ist.

Ich bin aufmerksam und gespannt, was mir das Leben diese Woche bringt.
Gehst du mit mir im Anfängergeist durch die erste Woche des Jahres?

Go for flow!

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