Flow-Bereich

Der Flow-Kanal: Wie du deine Aufgaben im Fluss erledigst

Mit dem Strom zu schwimmen zahlt sich aus!

Nein, damit meine ich nicht, dass du dich mehr anpassen, opportunistisch sein und mit der Masse mitrurchlen [=wienerisch für „planlos vor sich hin tun“] sollst.

Gemeint ist, dass du deine Aufgaben am besten im sogenannten Flow-Kanal erledigst. In dem Strom, der dich antreibt, mitträgt und dir hilft, hochproduktiv zu arbeiten – mühelos und ohne Energieverschleiß.

Mihály Csíkszentmihályi hat diesen magischen Flow-Kanal so beschrieben:

Flow entsteht nur, wenn Fähigkeiten und Herausforderungen in Einklang sind. Sind die Fähigkeiten hoch, die Herausausforderungen und Aufgaben dagegen gering, so stellt sich rasch Langeweile ein. Übersteigen die Herausforderungen aber die Fähigkeiten, dann entsteht schnell Stress und Angst.

Am produktivsten und gleichzeitig entspanntesten arbeiten wir in diesem relativ schmalen Spielraum zwischen Überforderung und Unterforderung (siehe Punkt 2 der Flow-Merkmale).

Grafisch sieht das so aus:

Flow-Kanal

So weit so gut. Jetzt gibt´s allerdings zwei große Herausforderungen, vor die uns dieser Flow-Kanal stellt:

  • Nicht alle Aufgaben kommen flow-gerecht daher. Wenn es nicht reiner Zufall sein soll, ob du im Flow arbeitest oder nicht, dann musst du dich nicht nur bewusst entscheiden, welche Aufgaben du angehst, sondern auch wie du deine Aufgaben angehst.
  • Flow ist kein konstanter Zustand – einmal drinnen und nie wieder draußen. Wir sind immer wieder neben der optimalen Spur. Das ist menschlich und kein Problem. Idealerweise findest du nur möglichst schnell wieder zurück in den Flow statt einen Dauerjob daraus zu machen, überfordert oder gelangweilt zu sein.

Aufgaben Flow-Kanal-gerecht gestalten

Fangen wir in der roten Zone der Überforderung an. Das ist bei den immer komplexer und höher werdenden Anforderungen in der Arbeitswelt das weitaus häufigere Problem als Langeweile.

Zuviel der Herausforderung

In der roten Zone befindest du dich, wenn du deine Aufgabe(n) mit deinen Fähigkeiten und Möglichkeiten nicht mehr gut bewältigen kannst. Der typischerweise damit verbundene Gedanken lautet:

Ich schaff das nicht.

In dem Fall hast du nach den Kriterien des Flow-Kanal zwei Möglichkeiten:
a.) Du schraubst die Aufgaben und Anforderungen herunter oder
b.) Du erweiterst deine Fähigkeiten.

Etwas praktischer und handfester:

• Konzentriere dich auf das Wesentliche

Überforderungen tritt unweigerlich auf, wenn du zuviel auf einmal machen möchtest. Wenn die To-do Liste übervoll ist, gilt es also erstmal klare Prioritäten zu setzen und dich auf die Dinge zu konzentrieren, die wichtig und wesentlich sind. Und eins nach dem anderen anzugehen.

[Mehr dazu: Wie das Eisenhower-Prinzip hilft, Prioritäten zu setzen]

• Zerstückle Deine Aufgaben

Ich könnte niemals einen Ikea-Schrank zusammenbauen, wenn diese Aufgabe nicht – dank genauer Anleitung – in einzelne Schritte zerlegt wäre. Und zwar in einzelne Schritte, die für mich machbar sind.

Bei „Monsteraufgaben“ entsteht das Gefühl der Überforderung sehr sehr schnell, wenn du nur im Ganzen denkst statt das große Ganze in kleine, bewältigbare Einheiten zu unterteilen.

[Siehe auch: 3 Gründe in kleinen Schritten zu denken statt ans große Ziel]

• Beachte deinen eigenen Rhythmus

Wir alle haben Höhen und Tiefen. Und zwar jeden Tag. In deinem Leistungshoch, hast du Zugriff auf deine Fähigkeiten. Du kannst in dieser Zeit Dinge mit Leichtigkeit erledigen, die dich überfordern, wenn du beispielsweise müde, ausgelaugt oder hungrig bist.

Wähle deine Aufgaben, die du anpackst, so aus, dass sie zu deiner momentanen Verfassung passen.

[Siehe auch: Produktivität mühelos steigern & To-do Liste für Intuitive]

• Reduziere deine eigenen Ansprüche

Viel Stress ist hausgemacht. Das gilt vor allem dann, wenn du alles perfekt machen willst. Der Wunsch, Dinge 100% richtig zu machen, ist zwar ein ehrenswerter Ansatz, führt aber in der Regel zu innerem Druck, der dich aus dem Flow-Kanal katapultiert. Es ist wesentlich produktiver, sich zu sagen:

Ich mach das jetzt so gut ich kann. 

Das genügt. Erlaub dir, Fehler zu machen und aus allem, was du tust zu lernen. Mit jeder Erfahrung, aus der du lernst, wirst du besser und deine Fähigkeiten nehmen zu.

• Hol Dir Unterstützung

Was total logisch und banal klingt, fällt vielen schwer: um Hilfe zu bitten.

Ich muss das allein schaffen!

Das ist wirklich ein weitverbreiteter Gedanke, der – entschuldige bitte meine Ausdrucksweise – bescheuert ist.

Manche Aufgaben lassen sich wesentlich besser im Team als alleine bewältigen. Manchmal hilft es, sich einen kleinen Input zu holen – von einem Kollegen, deinem Partner oder von einem Außenstehenden. Manchmal braucht´s mehr Hilfe von anderen. Nicht unbedingt weil du es allein nicht schaffen kannst, sondern weil du durch den richtigen Support wesentlich schneller in deinen Flow findest und dir Kraft, Zeit und Nerven sparst.

• Bilde dich weiter

Eine Möglichkeit, zu lernen und deine Fähigkeiten zu erweitern, besteht im TUN = Learning by doing. Siehe oben. Eine andere Möglichkeiten sind Aus- und Weiterbildungen.

Wenn du bei bestimmten Aufgaben oder in speziellen Situationen immer wieder aus dem Flow in die Rotlicht-Zone kommst, dann frag dich, welche Fähigkeiten dir genau fehlen und wie und wo du dir diese Fähigkeiten aneignen kannst.

So, das sind ein paar Tipps, die Dir helfen überfordernde Aufgaben besser zu bewältigen. Wenn du allerdings chronisch überfordert und gestresst bist, werden dir diese schlauen Ratschläge kaum helfen, dann stimmt nämlich an der Basis etwas nicht und es braucht ein wenig mehr, um wieder in deine Spur zu finden. Korrigiere, ein Tipp funktioniert: Hol dir Unterstützung!

Kommen wir zur anderen Seite des Flow-Kanals.

Zuwenig Herausforderung

Jeder Mensch hat das Bedürfnis zu wachsen und sich zu entwickeln.

Wenn du in deinem Job nichts Neues lernst, nichts für dich Interessantes erlebst und nicht gefordert bist, dann ist das nicht nur öd, sondern macht auf Dauer unzufrieden und krank. In dem Fall suchst dir lieber einen anderen Job!

Womit wir fast alle zu tun haben – selbst im „Traum-Job“, sind Routineaufgaben, die nach dem X-ten Mal nicht besonders spannend sind, und andere To-dos, die weder Freude bereiten noch eine interessante Herausforderung mit sich bringen.

Zuviel Zeit in der „Grauzone“ lähmt. Das muss nicht sein. Denn gerade diese Grauzonen-Aktivitäten lassen sich relativ leicht so gestalten, dass wir uns im Tun erholen, unsere Batterien neu aufladen oder sogar in den Flow kommen.

Was du konkret tun kannst, um aus der Grauzone in den Flow-Kanal zu rutschen:

• Schraub die Anforderungen höher

Beispielsweise, in dem du in der gleichen Zeitspanne mehr Output oder ein besseres Ergebnis lieferst. Du bringst also eine Portion Ergebnisdruck oder eine Prise Perfektionsmus hinein. In einer gesunden Dosis versteht sich.
Was unter anderen Umständen den Flow sehr leicht bremst, kann im Fall von Langweile und Unterforderung hilfreich sein.

• Reduziere die Zeit

Du setzt dir ein engeres Zeitlimit und erledigst deine Aufgabe schneller als sonst.

Achtung! Das kann zwar helfen, in den Flow-Kanal zu kommen, ist aber auch fehleranfällig und daher nicht für jede Art von Aufgabe geeignet.

Wenn ich einen Artikel schnell schnell schreibe, merkst du das sofort, weil noch wesentlich mehr Tippfehler drinnen sind als sonst :-)!
30 Minuten Recherche. 15 Minuten Brainstorming. 15 Minuten für eine grobe Artikelstruktur. Das sind für mich beispielsweise sinnvolle Zeitlimits, die mir helfen mich nicht zu verzetteln und in weniger Zeit mehr zu schaffen.

• Sei voll bei der Sache

Ein wesentliches Flow-Merkmal [siehe Punkt 4+5] ist die fokussierte Aufmerksamkeit. Gerade bei Routinetätigkeiten lässt sich das trainieren, in dem du den Details mehr Aufmerksamkeit schenkst als nötig.

Du übst dich darin, präsent zu sein. Deine Gedanken nicht abschweifen zu lassen. Mit deinen Sinnen wahrzunehmen, was ist.

Sobald du ganz im Hier und Jetzt bist, verschwindet Langeweile. Ausnahmslos!

[Siehe auch: Das mit Abstand beste Erfolgsrezept]

• Nutz deine Leistungstiefs bewusst:

Wir haben ja schon festgestellt, dass wir Phasen haben, in den wir nicht in Bestform sind und nicht auf unser volles Potenzial zugreifen können. Diese Zeiten sind ideal, um den administrativen Kram oder Routinetätigkeiten zu erledigen, die wir im Schlaf hinbekommen.

Nutz diese Phase bewusst, um dich mit „anspruchslosen“ To-do´s zu erholen. Dann bist du zwar nicht unbedingt in einem tiefen Flow, aber du bleibst im Fluss, erledigst Dinge, die erledigt werden müssen, und schöpfst Kraft für deine nächste, größere Herausforderung.

Der Flow-Kanal in der Praxis

Wie kannst du dieses Wissen über den Flow-Kanal in der Praxis umsetzen?
Geh kurz in dich:

  • Gibt es Aufgaben, die anstehen, bei denen du dich überfordert fühlst? Wenn ja, was kannst du tun, um den Stress rauszunehmen bzw. deine Ansprüche zu reduzieren, damit du die Sache entspannter und mehr im Flow angehen kannst?
  • Welche Tätigkeiten langweilen dich? Wie kannst du diese Aufgaben anspruchsvoller gestalten oder was kannst du dabei ganz bewusst üben, um nicht in der Grauzone zu veröden?

Im Flow-Kanal zu arbeiten ist hocheffizient und fühlt sich richtig gut an. Es zahlt sich aus, deine Einflussmöglichkeiten zu nutzen und deine Tätigkeiten auf eine Art und Weise anzupacken, dass du vom magischen Flow-Strom angetrieben und mitgetragen werden. Wie immer gilt: Probiere es einfach aus!

Go for flow!
Su Coach

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