Kopfkino

Kopfkino: So stoppst du den negativen Gedankenfilm

Lara hat Läuse! Hoffe, sie hat dich heute nicht angesteckt!

Diese SMS bekam ich vor kurzem von einem Freund. Lara ist seine kleine Tochter, mit der ich den ganzen Tag gespielt und den Kopf zusammengesteckt hatte.

Kaum hatte ich die SMS gelesen, schon hat mein Kopf gejuckt ohne Ende – tagelang. Und zwar ohne Grund! Ich vermute, den Läusen hat mein Kopf nicht gefallen, jedenfalls haben sie sich nicht bei mir angesiedelt; ich brauche aber nur daran zu denken und muss mich gleich wieder kratzen.
Würde mich nicht wundern, wenn´s dich auch schon irgendwo juckt.

Hier kümmern wir uns allerdings nicht um Läuse, sondern um deinen Flow – und den kann ein „Film“ in deinem Kopf ganz schön ausbremsen.

Das „läuselose Jucken“ ist nämlich nur ein kleiner Beweis für eine Tatsache:

Das Gehirn ist NICHT in der Lage zwischen dem zu unterscheiden,
was real ist, und dem, was wir uns nur gedanklich vorstellen.

Dein Kopfkino wirkt im Hier und Jetzt

Was auch immer du dir in deinem Kopf vorstellst, wirkt sich unmittelbar auf deinen Körper und deinen Gefühlszustand aus.

Durch den „Film“, der in deinem Kopf läuft, kannst du dich hier und jetzt schlecht fühlen, obwohl im Moment überhaupt kein Grund dazu besteht.

Probier’s aus: Erinnere dich an irgendetwas Unerfreuliches aus deiner Vergangenheit oder mal dir etwas Unangenehmes aus, das in Zukunft passieren könnte. Wenn du intensiv genug in dein Negativszenario eintauchst, wird sich deine jetzige Stimmung verschlechtern – so viel ist sicher.

Das willst du nicht?

Ja, das verstehe ich! Wir würden uns ja auch im Kino oder Fernsehen nicht absichtlich einen schlechten Film reinziehen, der uns total runterzieht. Und dann vielleicht auch noch ständig auf die Wiederholungstaste drücken. Doch ist es genau das, was viele von uns im Kopf – oft unbewusst und wider besseres Wissen (!) – tun.

Im Kopfkino läuft ein schlechter „Film“

Wir erinnern uns beispielsweise zum x-ten Mal an einen Streit, eine Kränkung oder ein Ärgernis. Obwohl es längst vorbei ist, gehen wir die Situation im Kopf immer und immer wieder durch.
Oder wir malen uns aus, wie irgendetwas schief laufen oder etwas Schreckliches passieren wird.
Oder vergleichsweise harmloser, haben schon bildlich vor Augen, wie wir zu spät kommen werden, wie wir die anstehende Arbeit nicht rechtzeitig schaffen oder wie wir in eine mühsame Diskussion verstrickt sind.

Vermutlich kennst du solche oder ähnliche innere Filme. Sie schlagen auf die Stimmung und verursachen alle mehr oder weniger innere Unruhe und inneren Stress.

Im Klartext heißt das noch einmal: Du fühlst dich im Hier und Jetzt nicht gut, nur weil in deinem Kopfkino ein „falscher“ Film läuft!

Das ist echt sinnloses Schlechtfühlen!

Gerade Menschen, die mit einer ausgeprägten Fantasie und mit viel Kreativität gesegnet sind – eine wunderbare Gabe, neigen übrigens oft dazu ihre Gabe zu verschwenden, indem sie sich auf kreativste Weise die schlimmsten Dinge ausmalen. So fehlt dann der kreative Flow bei den wirklich wesentlichen Dingen.

So weit so gut. Ich vermute, du weißt ohnehin, dass schlechtes Kopfkino nicht produktiv und konstruktiv ist.
Trotzdem ist es nicht immer so leicht, so einen negativen Gedankenfilm zu stoppen. Das erfordert Disziplin und Training – das wirst du hier öfter zu hören bekommen.

Schritt 1: Bewusst machen

Ganz ganz oft läuft dieser miese innere Film auf Autopilot. Wir sind uns also nicht einmal bewusst darüber, was wir da mit unserem Kopf und unserer Vorstellungskraft bewirken und verursachen.

Ein erster Schritt ist also schon einmal, sich zumindest bewusst darüber zu sein, welcher Film im Kopf läuft und wie sich das auf deine Stimmung auswirkt.

Halte im Laufe des Tages immer wieder inne – vor allem dann, wenn du merkst, dass sich deine Stimmung scheinbar grundlos verschlechtert – und frag dich:

  • Wo bin ich gedanklich gerade?
  • Welcher Gedankenfilm läuft in meinem Kopf?
  • Und wie wirkt sich das auf mein Wohlbefinden aus?

Wenn solche Filme mehr oder weniger unbewusst laufen, fühlen wir uns schlecht, und bekommen gar nicht mit, warum.

Sobald dir wenigstens bewusst ist, dass ich du dich gerade schlecht fühlst, weil du dir ein schlechtes Kopfkino reinziehst, wird’s schon besser.
Vielleicht kannst du aus dem Gedankenkino nicht sofort aussteigen, aber du musst das Drama, das Dramolett, das Melodram, den Action- oder Horrorfilm in deinem Kopf nicht mehr ganz so ernst nehmen.

So wie im Kino oder im Fernsehen kannst du dich selbst daran erinnern: „Es ist nur ein Film!“.

Schritt 2: Lenk deinen Fokus um

Ist der Film nicht konstruktiv, erfreulich oder wenigstens neutral, den du dir da gerade innerlich anschaust, und hat er nichts mit der Gegenwart zu tun, dann steig so schnell wie möglich aus. Sag dir innerlich:

STOPP! Ich glaub, ich bin im falschen Film!

Hör damit auf, dir etwas Negatives auszumalen, was jetzt nicht mehr oder noch gar nicht da ist!

Jetzt ist es sau schwer bis unmöglich, nicht mehr an etwas zu denken.
Leichter geht es, wenn du deinen Fokus bewusst umlenkst:

a.) Du entscheidest dich jetzt ganz bewusst an etwas ANDERES zu denken –  an irgendetwas Erfreuliches oder wenigstens Neutrales. Du kannst dir auch etwas schönes Ausmalen oder dich ein etwas Angenehmes erinnern.

b.) Du lenkst stattdessen deine Aufmerksamkeit ins Hier und Jetzt. Nimm bewusst wahr, was in diesem Moment ist:

  • Wo bist Du?
  • Was tust Du?
  • Was kannst Du sehen, hören, fühlen, riechen, schmecken?
  • Wie fließt Dein Atem?

Auf diese Weise kommst du mit deinem Bewusstsein in deinen Körper – und der ist im Gegensatz zu deinem Kopf immer im Jetzt.

Wenn du bewusst einen anderen Film einlegst, wirst du dich unweigerlich entspannen und deine Stimmung wird sich wieder heben. Ja, auch positives Kopfkino wirkt im Hier und Jetzt – nur eben positiv.
Und du hast immer eine Wahl, welchen Film du dir innerlich anschaust.

Go for flow!
Su Coach

No comments yet.

Schreibe einen Kommentar