Sage-was-du-meinst

Sage, was du meinst. Meine, was du sagst.

[Jeden Sonntag gibt es hier eine Intention der Woche – eine Absicht, die ich mir für die nächsten 7 Tage setze. Du bist herzlich eingeladen mitzumachen.]

Letzte Woche bin ich zu einem Termin 20 Minuten zu spät kommen und konnte mich dann selbst dabei beobachtet, wie ich lang und breit eine Erklärung abgab, was unterwegs nicht alles passiert wäre und warum es mir leider nicht möglich war, pünktlich zu sein.

Dem Himmel sei dank ist meine Nase bei der Geschichte nicht länger und länger geworden. Trotzdem konnte ich nicht umhin, mich zu fragen, warum ich das tue. Warum sag ich nicht einfach die Wahrheit? Es tut mir leid, ich bin zu spät weggefahren. Punkt.

Laut mancher Statistik aus der Lügenforschung lügen wir alle rund 200 Mal am Tag.

Lüge ist hier vielleicht ein hartes Wort. Nach der Duden-Definition ist eine Lüge eine bewusst falsche, auf Täuschung angelegte Aussage; eine absichtlich, wissentlich geäußerte Unwahrheit. Dabei denke ich eher an sowas wie Betrug, Meineid, Fälschung, Genaurei, Prellerei und ähnliches.

Bei dieser Statistik geht es wohl eher um die kleinen Alltagslügen:
„Das schmeckt köstlich.“, obwohl wir das Essen kaum runterbekommen.
„Da hab ich leider keine Zeit.“, wenn in Wahrheit nur die Lust fehlt.
„Danke, mir geht es gut.“, selbst wenn uns gerade elend zumute ist.
„Deine neue Frisur schaut toll aus.“, sagen wir leicht geschockt vom Anblick.
„Das ist ein nettes Geschenk.“, obwohl wir es grauenvoll finden.
„Ich hab keinen Parkplatz gefunden.“, flunkern wir beim Zuspätkommen.
„Ich melde mich bei dir.“, wissend, dass wir das sicher nicht tun werden.
Oder heben das Telefon nicht ab, um einem Gespräch aus dem Weg zu gehen.

Solche oder ähnliche Unwahrheiten kennst du vielleicht.
Wir „lügen“ aus Höflichkeit. Wir „lügen“ der Harmonie zuliebe. Wir „lügen“ für ein friedliches Miteinander. 

Viele kluge Köpfe behaupten, dass diese sogenannten weißen Lügen notwendig sind, um das soziale Gefüge aufrecht zu erhalten. Wo kämen wir denn hin, wenn jeder Mensch alles ausspricht, was er denkt.

Natürlich tun wir das oft, um nicht unhöflich zu sein, andere nicht zu verletzen oder vor den Kopf zu stoßen.
Aber Achtung: Wir können viele Unehrlichkeiten damit rechtfertigen, dass wir andere schützen oder ihnen einen Gefallen tun wollen. Sind wir jedoch ehrlich zu uns selbst, entdecken wir oft weniger redliche Motive hinter den Unwahrheiten: persönliche Bequemlichkeit, Angst vor Konflikten, Vermeiden von Ärger oder Unannehmlichkeiten, Scham- oder Schuldgefühle, den Wunsch gut dazustehen oder die Sorge, sich unbeliebt zu machen. Meist steckt keine böswillige Absicht dahinter.
Wir trauen uns nur ganz einfach nicht, so zu sein, wie wir sind, aus Angst vor negativen Konsequenzen.

Darum will ich diese Woche besonders auf diese „kleinen“ Unwahrheiten achten. Erstens darauf achten, was ich wie und wann sage, und zweitens möglichst nur Dinge zu sagen, die ich ehrlich meine.

Diese Woche sage ich, was ich meine, und meine, was ich sage.

Teil 1: Ich sage, was ich meine.

Ich druckse nicht herum. Erfinde keine Ausreden oder Entschuldigungen. Rede nichts schön, um besser dazustehen.
Ich sage bewusst, was Sache ist und was ich wirklich meine.

Versteht sich hoffentlich von selbst, dass das nicht brutal, schroff und verletzend sein wird. Friedrich Fehlinger – ein systemischer Coach und Lehrer von mir – hat immer gesagt:

Tatsachen sind freundlich. 

Das ist auch meine Erfahrung: Wenn wir ehrlich, klar, deutlich und authentisch kommunizieren, und sagen, was wir meinen, kommt das beim anderen viel besser an als Herumdruckserei und fadenscheinige Ausreden. Selbst wenn jemand im ersten Moment nicht begeistert ist, von dem was wir sagen.

À la longue bestimmen unsere scheinbar verborgenen Gedanken und Gefühle, was in unserem Leben und in den Beziehungen zu anderen Menschen geschieht, ob wir das wollen oder nicht. Ein Mensch, mit dem wir Kontakt haben, hört nicht nur, was wir sagen, und merkt nicht nur, was wir tun, er spürt auch, was wir denken und fühlen. Wenn das, was wir sagen und tun, nicht mit dem übereinstimmt, was wir denken und fühlen, entstehen ganz automatisch Missverständnisse und Unstimmigkeiten.

Eine klare Kommunikation ist also sehr beziehungsförderlich.

Teil 2: Ich meine, was ich sage.

Letzte Woche hatten wir hier die Intention, ehrliche Komplimenten zu verteilen. Das finde ich schön und bereichernd.

Jetzt sagen wir – oder ich zumindest – aber auch immer wieder Dinge, weil wir uns irgendwie dazu verpflichtet fühlen oder aus purer Gewohnheit. Ohne wirklich zu meinen, was wir da sagen.

Echte Klassiker sind beispielsweise Aussagen wie: „Ich melde mich bei dir.“ oder „Treffen wir uns einmal“ oder „Ich komm dich bald besuchen.“ Leere Worte, von denen wir in Wahrheit wissen oder ahnen, dass wir sie nicht einhalten.
Oder wir sagen standardmäßig „Ich liebe dich.“ oder „Hab dich lieb.“ zu unseren Liebsten. Einfach aus Gewohnheit. Die Worte kommen so automatisch aus unserem Mund, dass sie ihr wahre Bedeutung verlieren.
Oder wir bieten jemandem unsere Hilfe an, ohne Absicht das wirklich einhalten zu wollen.

Das wirkt vielleicht total harmlos. Aber solche leeren Floskeln und Versprechungen rauben uns innere Klarheit und Authentizität. Nicht selten entsteht dadurch auch ein latent schlechtes Gewissen, weil wir wissen, dass wir nicht einhalten, was wir sagen. Flow, ade.

Ich committe mich also ganz bewusst dazu, nur Dinge zu sagen, die ich wirklich meine. Oder mit den Worten von Voltaire.

Alles was du sagst, sollte wahr sein.
Aber nicht alles, was wahr ist, solltest du auch sagen.

Und: Was sagst du diese Woche?

Go for flow!

P.S: Bei dir hapert es zur Zeit an der Kommunikation. Du hast Probleme, Dinge aus- und anzusprechen, und das willst du ändern, dann schreib mir ein Mail.

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