Authentisch

Nein-sagen: lieber gut dastehen oder zu sich selbst stehen?

Ertappst du dich manchmal dabei, Ja zu sagen, ….
…obwohl du Nein sagen willst?

Nimmst du zum Beispiel Aufträge, Aufgaben, Einladungen oder ähnliches an, ohne das wirklich zu wollen? Oder sagst du etwas (nicht), um mögliche Komplikationen zu vermeiden?

Fast jeder kennt solche Situationen.
Momente, in denen man sich selbst nicht treu ist!

Ja, das mit dem Nein-Sagen und der Selbstreue ist nicht immer so leicht.
Das sieht auch Bella 4 Business so und ruft zur Blog-ParadeNein sagen und selbstbestimmt glücklich werden“ auf. Finde ich nicht nur ein gutes, sondern in der Praxis auch sehr sehr relevantes Thema!

Wie wichtig es im Leben ist, Nein sagen zu können und – mehr noch – in jeder Hinsicht für sich selbst einzustehen und seinen inneren Impulsen zu folgen, wissen die meisten. Warum aber fällt das trotzdem oft so schwer?

Das Gut-dastehen-wollen Syndrom

Aus meiner Erfahrung gibt es da ein Hindernisse, das besonders weit verbreitet ist. Ich nenne es: Das Gut-dastehen-wollen Syndrom.

Dieses Syndrom zieht weite Kreis und zeigt sich in unterschiedlichen Facetten:

  • Wir sagen etwas, was wir eigentlich gar nicht so meinen.
  • Wir tun etwas, was wir in Wahrheit nicht tun wollen.
    Oder aber auch umgekehrt:
  • Wir sagen etwas nicht, was wir eigentlich sagen wollen.
  • Oder wir tun etwas nicht, was wir in Wahrheit tun wollen.

Kurz: Statt uns so zu verhalten, wie es sich gut und richtig anfühlt, versuchen wir den Erwartungen anderer zu entsprechen und es anderen recht zu machen.

Ja, ich möchte eben niemanden im Stich lassen,
niemanden enttäuschen oder gar verletzen!

So lautet eine oft verwendete Erklärung.

Wer ganz ehrlich zu sich selbst ist, wird allerdings zugeben müssen: Es geht nicht immer nur um das Wohl der anderen, sondern viel öfter darum, dass wir selbst gerne in einem guten Licht dastehen wollen. Andere Menschen sollen bloß nicht schlecht über uns denken oder uns gar Anerkennung, Wertschätzung, Respekt oder Zuneigung entziehen.

Wenn du darin ein Körnchen Wahrheit entdeckst, zahlt es sich aus nach einer besseren Lösung zu suchen. Der Wunsch „Gut da zustehen“ ist für uns Menschen nämlich wie der Käse, der die Maus in die Falle lockt. Sobald Gedanken auftauchen wie…

  • Da kann ich jetzt nicht Nein sagen.
  • Eigentlich will ich…, aber!
  • Das tut/sagt man nicht. Das kann ich doch nicht machen.

… ist die Falle zugeschnappt. Wir erlauben uns nicht mehr zu sein, wie wir sind.

Dieses Muster hatte einst seinen Sinn

Der Wunsch nach Zugehörigkeit, Wertschätzung und Anerkennung ist ein menschliches Grundbedürfnis. In der Steinzeit konnte kein Mensch alleine überleben – jeder war angewiesen auf seine Sippe. Unser Gehirn ist von Natur aus schon darauf programmiert, sich so zu verhalten, dass wir nicht ausgestoßen werden.

Dazu kommt: Als Kleinkind war jeder von uns abhängig von seinen Eltern – sich anzupassen war ein sinnvoller Überlebensmechanismus. Damit Mami und Papi uns lieb haben, waren wir bereit uns so zu verhalten, wie es sich gehört und möglichst nur die gewünschten Seiten zu zeigen.

Jetzt – in unserer Zeit, im Erwachsenenalter – ist dieses Muster weder notwendig noch sinnvoll.

Von Byron Katie stammt das Zitat: „Wenn ich ein Gebet hätte, dann wäre es dieses:

Lieber Gott,
 bewahre mich
 vor dem Verlangen
 nach Liebe, 
Anerkennung
 oder Wertschätzung.
 Amen.

Warum? Weil wir das Leben unendlich verkomplizieren, wenn wir uns – aus welchen Gründen auch immer – verbiegen; wenn wir uns selbst nicht treu sind; wenn wir nicht authentisch und ehrlich sind.

Gut-dastehen-Wollen ist stressig, kostet viel Energie, bremst den Flow und raubt dir wertvolle Lebenszeit!

Außerdem führt es meistens dazu, dass du langfristig schlechter dastehst, als wenn du dir selbst treu geblieben wärst. Erfolg und Erfüllung findest du nicht dadurch, dass du anderen entsprichst, sondern indem du das tust, was dir selbst entspricht; nicht indem du etwas tust, um Anerkennung, Zuneigung, Respekt oder Wertschätzung zu bekommen, sondern indem du tust, was dir bekommt.

Trau dich, zu sagen und zu tun,
was sich für dich gut, richtig und stimmig und authentisch anfühlt!

Schön und gut! Aber was kannst du tun, wenn du genau davor Angst hast?

Der 1. Schritt, um zu sich selbst zu stehen

Der erste und wichtigste Schritt aus dem Dilemma ist Bewusstsein!
Daher lade ich dich hier ein, dir deine Fallen näher anzuschauen. Wer sie kennt, tut sich nämlich wesentlich leichter sie zu umgehen.

Hol dir bitte Papier und Stift und notiere dir,

  • wann
  • mit/bei wem
  • unter welchen Umständen

du dich anders verhältst, als du das eigentlich willst.
WAS genau tust oder tust du nicht, um „gut dazustehen“?

Versuche  herausfinden, was du damit genau erreichen willst?
WARUM willst du „gut dastehen“? 

Ein paar Beispiele: Vielleicht möchtest du…

  • einen guten Eindruck hinterlassen – andere sollen gut über dich denken.
  • Anerkennung bekommen – andere sollen sehen, was du leistest.
  • dich nicht unbeliebt machen – andere sollen dich mögen.
  • Konflikte vermeiden – du willst bei anderen nicht anecken.
  • gebraucht werden – andere sollen erkennen, wie wichtig du bist.

Wovor hast du Bammel?
Oft haben wir Angst vor Dingen oder versuchen Situationen zu vermeiden, die bei näherer Betrachtung gar nicht so dramatisch wären. In dem Fall ist es hilfreich, dich zu fragen:

  • Was könnte im schlimmsten Fall geschehen, wenn ich in dieser Situation ganz ich selbst bin?
  • Wie wahrscheinlich ist es, dass der schlimmste Fall eintritt?
  • Kann ich mit den möglichen Konsequenzen leben?
  • Zahlt sich „Gut da stehen“ in dieser Situation wirklich aus?

Was entspricht dir wirklich?
Frag dich:

  • Wie würde ich mich am liebsten verhalten?
  • Was fühlt sich für mich richtig und stimmig an?
  • Warum könnte es sich auszahlen, mir selbst treu zu sein?
  • Was könnte im besten Fall passieren?
    (Mal dir ruhig aus, wie gut sich das anfühlt.)

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Es ist durchaus normal, von anderen anerkannt und gemocht werden zu wollen. Es ist gesund, sich nicht ständig mit anderen in die Haare zu bekommen. Es kann Freude bereiten, über seinen eigenen Schatten zu springen und etwas anderen Menschen zuliebe zu tun.

Das Ziel der Übung ist also nicht, ab sofort zu allem und jedem Nein zu sagen und ein Vollblut-Egoist zu werden. Es geht vielmehr darum, von der Meinung und Reaktion anderer Menschen unabhängiger zu werden – selbstbestimmt statt fremdbestimmt zu agieren.

Triff eine bewusste Entscheidung

Behalte daher deine Fallen von nun an „im Auge“ und versuch, dich so oft wie möglich ganz bewusst zu entscheiden:

Will ich in dieser Situation lieber gut dastehen
oder zu mir selbst stehen?

Siehe auch: 4, Tipps um konstruktiv Nein zu sagen

Go for flow!
Su Coach

2 Responses to Nein-sagen: lieber gut dastehen oder zu sich selbst stehen?

  1. Katrin Klemm 5. November 2015 at 12:27 #

    Herzlichen Dank, liebe Su, für diesen praktischen Beitrag zu unserer Blogparade – ich werde unserer Leserinnen gleich empfehlen, Stift und Papier bereitzulegen.

    Sonnigen Gruß aus Hamburg
    Katrin

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