Aufschieberitis

Aufschieben: 6 Gründe, warum wir Dinge nicht erledigen

Das Gespräch, das überfällig ist.
Die Ablage, die sich seit Wochen stapelt.
Der Strategieplan, der dringend überarbeitet gehört.

Viele kennen dieses Phänomen der Aufschieberei: Dinge, die zu tun sind – sei es weil es sein muss, weil es wichtig ist oder weil wir es eigentlich ohnehin tun wollen – werden immer wieder aufgeschoben.

Prokrastination ist der Fachausdruck.

Ich nenne es gern Aufschieberitis. Die Begleiterscheinungen sind häufig ein schlechtes Gewissen und ein nagendes Gefühl der Unzufriedenheit.

Selbst wenn die Aufschieberei noch so undiszipliniert, unlogisch oder dumm scheint: Jedes menschliche Verhalten ergibt einen Sinn!

Es lohnt sich also, nach den Gründen zu suchen, die hinter diesem Verhalten stehen. Nicht zuletzt, weil wir so auch die richtigen Ansatzpunkte finden, um ins Tun zu kommen.

6 Gründe für´s Aufschieben:

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Es gibt natürlich mehr als sechs Gründe.
Hier sind die, die mir in der Coaching-Praxis am häufigsten begegnen:

1. Andere Prioritäten

Meine To-do-Liste von heute reicht für die nächsten fünf Monate.

Hat mal ein Coachee zu mir gesagt. Und ist damit kein Einzelfall. Vielleicht nicht so extrem, aber in aller Regel stehen auf der To-do-Liste nicht nur ein, zwei Punkte auf der Agenda, die sich fein säuberlich erledigen lassen.

Bekanntlich hat jeder Tag nur 24 Stunden.
Heißt: Es geht sich nicht alles aus! Punkt.

Das ist noch kein Problem. Solange Sie die richtigen Prioritäten setzen und sich um die wichtigen Dinge kümmern.

Aber was leider oft passiert: Ausgerechnet jene Dinge, die wichtig und gut wären zu tun, werden immer wieder verschoben, weil anderes unbedingt sein muss.

Praktisch sieht das dann so aus:

  • Ich arbeite nicht an der Strategie, weil ich vom Tagesgeschäft zugemüllt bin.
  • Ich treffe den potentiellen neuen Geschäftspartner nicht, weil ich dringend ein akutes Problem lösen muss.
  • Ich schiebe den Sport jeden Tag auf morgen, weil heute noch so viel erledigen ist.

Der Lösungsansatz:

Hier geht es darum, die Prioritäten zu überprüfen und den Alltag sinnvoll nach den wahren Prioritäten auszurichten. Bewusst zu entscheiden, wie Sie Ihre Zeit nutzen möchten. Das Eisenhower-Prinzip hilft Ihnen dabei.

Wichtig: Lassen Sie Wichtiges und Wesentliches nicht immer hintenanstehen. Schieben Sie stattdessen lieber das Unwichtige auf.

2. Mangelnde Energie

Oft fehlt die Kraft, um Dinge anzugehen und zu erledigen. Jede Handlung kostet Energie.

Doch was wir dabei oft übersehen:
Handlungen, die wir nicht ausführen, kosten oft noch viel mehr Energie!

Aufschieben bedeutet, eine Aufgabe, die erledigt werden muss, vor sich herzuschieben, statt sie hinter sich zu bringen.

Stellen Sie sich bildlich vor, wie Sie ununterbrochen etwas vor sich herschieben. So wird Ihnen schnell bewusst, dass das Kraft kostet. Kraft, die Sie für andere Dinge nicht mehr zur Verfügung haben.

Der Lösungsansatz:

So paradox das klingen mag: In diesem Fall ist Unerledigtes trotz Energiemangel anzupacken in der Regel die beste Strategie, um Kraft zu gewinnen.

Gehen Sie die Sache Schritt für Schritt an. In dem Ausmaß, das Ihnen möglich ist. Sobald das Unerledigte weniger wird, werden Sie merklich mehr Energie haben und mehr im Flow sein.

3. Keine Lust

Ich will das nicht machen!

Ein ziemlich klarer und einleuchtender Grund, etwas nicht anzugehen. Als Verfechter des Weges der Freude kann ich das jedenfalls gut nachvollziehen.

Tatsache ist aber:
Manche Dinge müssen wir tun – ob wir wollen oder nicht.

Ehrlich: Ich liebe meinen Job und trotzdem fallen dabei auch Aufgaben an, die ich liebend gerne aufschiebe, weil ich sie nicht mag oder gerade keinen Bock darauf habe.

Der Lösungsansatz:

Überprüfen Sie, ob Sie die ungeliebte Angelegenheit delegieren oder jemand anderen damit beauftragen können. Oder es sonst eine sinnvolle Lösung gibt, um sich das Ganze zu ersparen.

Geht nicht? Sie sind dran, das zu tun, was zu tun ist?  Dann verändern Sie am besten schleunigst Ihre innere Einstellung.

Innerer Widerstand macht die Angelegenheit noch hundertmal schwieriger!

Je öfter Sie sich selbst sagen “Ich will das nicht machen!”, desto mehr Kraft wird es Sie kosten, die Sache einfach zu erledigen.

[Siehe auch: Ein paar Minuten statt Alles-oder-nichts!]

4. Angst vor unangenehmen Folgen

Manchmal erledigen wir Dinge nicht, weil wir Angst vor den Konsequenzen haben.

Wir vermeiden beispielsweise ein Gespräch, das unharmonisch verlaufen könnte. Treffen keine Entscheidung, weil es die falsche sein könnte. Gehen etwas nicht an, weil wir Fehler machen oder gar versagen könnten.

Das ist sehr menschlich!

Der Lösungsansatz:

Hier hängt die Lösung natürlich ein Stück weit davon ab, wovor Sie genau Angst haben. Eines gilt allerdings fast immer: Die Angst vergeht nicht, solange Sie nicht handeln!

Im Gegenteil, Untätigkeit und Aufschieberei nähren Ängste und Zweifel.
Es macht keinen Sinn, in der “sicheren Höhle” auf Mut und Selbstvertrauen zu warten.

Der Mut und das Selbstvertrauen, dass wir Dinge meistern und auch unangenehme Situationen gut überstehen können und selbst Fehler überleben, kommt erst im Tun.

[Siehe auch:  3 Gründe, in kleinen Schritten zu denken]

5. Druck brauchen

Manche Menschen brauchen Druck, um in die Gänge zu kommen. Sie schieben Dinge solange auf, bis der Hut brennt und legen dann erst los.

Eine Journalistin wartet regelmäßig bis einen Tag vor Redaktionsschluss, bevor sie anfängt am fälligen Artikel zu schreiben. Und nein, sie sitzt nicht in einer Tageszeitungsredaktion, in der es oft nicht anders geht als auf den letzten Drücker zu arbeiten, besagte Dame hat meist 2 Wochen Zeit. Sie schafft es auch 5 vor 12 anzufangen und rechtzeitig fertig zu werden.

Der Lösungsansatz:

Wenn Sie zu den “Ich brauche Druck” Menschen gehören, machen Sie sich das bewusst und gestehen Sie sich das zu.

Das erspart Ihnen erstens ein schlechtes Gewissen. Zweitens lassen sich Dinge dann anderes – nämlich von vornherein knapp – timen statt sich ständig zu sagen “Ich sollte eigentlich schon anfangen…”.

6. Das intuitive Gefühl, die Sache erledigt sich von allein

Das ist wohl der beste, oder sagen wir sinnvollste Grund, Dinge aufzuschieben:

Irgendetwas in uns weiß oder spürt, es ist jetzt nicht notwendig, etwas zu tun.

Ich gehe einen Auftrag nicht an und dann erfahre ich, dass das ganze Projekt gecancelt ist. Ein Gespräch wird hinfällig, weil sich ein Missverständnis von ganz allein aufgeklärt hat oder sich die Dinge anders entwickelt haben.

Erst unlängst hat jemand trotz Anordnung einen Mitarbeiter nicht rausgehaut und dann ist ein großer Auftrag eingetrudelt, für den der Mitarbeiter der perfekte Mann war. Alle waren heilfroh, dass die Kündigung nicht ausgesprochen war.

Die hohe Kunst ist auseinander zu halten:

  • Was ist Aufscheiberei?
  • Und was ist JETZT wirklich nicht richtig oder nicht nötig zu tun?

Sich da selbst in die Tasche zu lügen, ist verlockend.

Der Lösungsansatz:

Hier geht es um einen guten Draht zu Ihrer inneren Weisheit. Wenn die Leitung bei Ihnen noch nicht so stabil ist oder der Kopf gerne dazwischenpfuscht, üben Sie bei Angelegenheiten, bei denen es nicht um die Wurst geht.

Fragen Sie sich:

Ist diese Arbeit, dieses Projekt, dieses Gespräch, dieser To-Do-Punkt, etwas das ich JETZT angehen soll?

Achtung: Ihre Intuition funktioniert immer im Jetzt. Kann also sein, dass jetzt nur nicht der richtige Zeitpunkt ist, um etwas anzupacken, Sie aber die Angelegenheit noch nicht vollständig von Ihrer Agenda löschen können.

Mit Übung und Praxiserfahrung bekommen Sie eine klare intuitive Antwort. Bleibt natürlich die Frage, ob Sie auf die Antwort hören und tun, was zu tun ist. Oder Ihre Intuition übergehen.

Aufschieberei ist nicht nur schlecht und eine “Krankheit”.

Erst wenn wir die Gründe hinter dem Verhalten erkennen, zeigen sich die nötigen Ansatzpunkte, um entweder in die Gänge zu kommen oder die Sache mit gutem Gewissen sein zu lassen.

In diesem Sinn: Was gehen Sie als nächstes an?

Go for flow!
Su Busson

Thank you for sharing!

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2 Responses to Aufschieben: 6 Gründe, warum wir Dinge nicht erledigen

  1. Mohamed-Nassar Al-Mohamed 26. Juli 2016 at 9:41 #

    Aufschieberitis ist eine weit verbreitete “Krankheit” die wir heute Dank vieler einflussreicher Menschen, die es uns vor leben oder sogar einen Ratgeber dazu online und kostenlos zur Verfügung stellen heilen können!

    Vielen Dank für diesen Beitrag!

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