Nichtstun

Wenn Nichtstun schwer fällt und Sie Erholung brauchen

Ich kann nicht nichts tun!
Klagte letzte Woche eine Klientin.

Sie hatte sich ein freies Wochenende verordnet. Nur Zeit für sich selbst und vor allem Zeit zum Faulenzen. Einfach nichts tun. Das war zumindest ihr Plan.

Was hat sie getan: Die ganze Wohnung geputzt. Ihren Kleiderschrank ausgemistet. Eine Pflanze umgetopft. Im Fitnesscenter 15 km am Laufband gerannt und eine TRX-Stunde gemacht. Eine Freundin zum Brunchen getroffen. Und den Stapel an angesammelten Zeitschriften gelesen.
Von Nichtstun war also keine Rede.

Meine Klientin war frustriert. Schließlich heißt es doch so oft: “Du musst dir Ruhe gönnen und einfach mal nichts tun.” Und das konnte sie nicht.

Tatarata! Höchste Zeit mit einem großen Missverständnis aufzuräumen:

Nur Nichtstun ist gleich Erholung

Das ist ein Irrtum.

Sich zu erholen und zu entspannen heißt NICHT,
dass Sie nichts tun dürfen!

Sie können sich auch im Tun erholen. Und am besten entspannen Sie sich, wenn Sie genau das tun, was Ihnen Spaß und Freude macht, was Ihnen guttut und Energie schenkt.

Vielleicht heißt das, sich aufs Sofa zu verwerfen und einen guten Film oder die Lieblingsserie anzuschauen, ein Buch zu lesen, einen Nachmittagsschlaf zu machen, sich eine Massage zu gönnen, ein Vollbad zu nehmen oder in die Sauna zu gehen. Das würde man im herkömmlichen Sinn wohl am ehesten als Faulsein und “Nichtstun” bezeichnen.

Vielleicht heißt das aber auch, eine Bergwanderung oder eine Radtour zu machen, sich irgendwo die Seele aus dem Leib zu tanzen, etwas zu lernen, in eine Ausstellung zu gehen oder für eine handvolle Freunde zu kochen.

Wobei erholen Sie sich?

Sie entscheiden, was für Sie erholsam ist und was nicht.

  • Was schenkt Ihnen Energie und lässt Sie auftanken?
  • Wie können Sie abschalten?
  • Wodurch fühlen Sie sich nachher wie “neu geboren” und “regeneriert”?
  • Wobei erholt sich Ihr Geist und Ihr Seele?

Das ist klarerweise von Mensch zu Mensch verschieden.
Wer introvertiert ist, braucht eher mehr Zeit alleine, um sich zu erholen. Wer extrovertiert ist, lädt leichter im Kontakt zu Freunden, Partnern und Familie auf und tankt durch seine zwischenmenschlichen Beziehungen Kraft.

Was Sie zur Erholung brauchen, ist natürlich auch abhängig von Ihrer momentanen Verfassung. Was Ihnen heute Energie schenkt und Ihnen gut tut, ist ein anderes Mal nicht das Richtige.

Ja logisch, weiß jeder! Dennoch lohnt es sich oft, sich die eigenen Erholungsgewohnheiten bewusst zu machen und sich bewusst zu entscheiden, was zur Erholung gerade angesagt ist.

Achtung: Gewohnheiten sind nicht immer erholsam

Vielleicht lungern Sie abends gewohnheitsmäßig vor dem Fernseher, was Sie aber wirklich brauchen, ist frische Luft und Bewegung. Oder Sie haben sich angewöhnt in Ihrer Freizeit ständig im Internet zu surfen oder Fachzeitschriften zu lesen, was Ihnen aber wirklich gut tun würde, ist ein angeregtes Gespräch mit einem Freund.

Kurz: Die üblichen Gewohnheiten sind nicht immer das, was erholsam ist und Kraft schenkt. Check it out!

Verpflichtungen sind in aller Regel nicht erholsam

Es macht nun einmal einen immensen Unterschied, ob Sie etwas tun, weil Ihnen danach ist oder weil Sie sich dazu verpflichtet fühlen.

Also: Ja! Es kann super erholsam und total befriedigend sind, die Wohnung zu putzen. Wenn Sie das allerdings nur tun, weil Sie denken, das jetzt tun zu müssen, dann ist es keine Erholungsquelle.

Manche Menschen haben gleich ihr ganzes Privatleben, so mit Verpflichtungen vollgepflastert, dass sie ihre freie Zeit gar nicht mehr so gestalten können, wie sie sich das eigentlich wünschen. Der Pflichtbesuch bei den Eltern, die Einladungen von irgendwelchen Bekannten, das Vereinstreffen, das fixe Theaterabo etc…

Auch hier lohnt es sich die Spreu vom Weizen zu trennen: Zu überprüfen, welche dieser Verpflichtungen Ihnen Freude bereiten, gut tun und Energie schenken – und welche Sie besser aufgeben oder zumindest einschränken.

Business-Menschen tun sich oft schwer mit dem Nichtstun

Zunächst einmal: Was meine ich mit Business-Mensch? Wer soll das sein?
Ich mag die Definition der Fotografin Dorothee Elfring:

Business-Menschen sind Menschen, die busy sind … busy mit einer Idee, einer Aufgabe, einem Unternehmen, einem Geschäft, einer Berufung, einer Leidenschaft….

Business-Menschen sind Menschen, die leidenschaftlich gerne beschäftigt sind. Die etwas machen, bewirken und bewegen möchten. Die aufblühen, wenn Sie “Ihres” tun. Ich zähle mich dazu.

Diese Menschen tun sich eben oft schwer mit dem Nichtstun.
Ja, Sie neigen dazu sich zu überlasten – und im schlimmsten Fall vor lauter brennen, auszubrennen. Ja, sie brauchen Erholungszeiten – unbedingt. Aber oft ist es für Sie erholsam, etwas zu tun. Etwas, das einfach nur Spaß und Freude macht.

[Sollten Sie dazu neigen Erholungsphasen völlig zu vernachlässigen, lesen Sie hier nach: Warnsignale des Körpers: Zeit, Kraft zu tanken!
13 Work-Life-Balance Tipps]

Meine Klientin ist so ein Business-Mensch. Und sie ist nicht die einzige, die ein schlechtes Gewissen hat, weil Sie nicht Nichtstun kann. Weil Sie sich auf ihre Art und Weise entspannt. Im Tun. Ja, sie war nach ihrem aktiven Wochenende total zufrieden und positiv aufgeladen. Das ist letztlich das, was zählt. Und nicht, ob sie faul am Sofa gelegen ist oder nicht.

Lassen Sie also von niemand dreinreden, was Sie tun und was Sie lassen sollten. Gerade aktive Menschen hören oft von anderen:

Du musst endlich mal Ruhe geben.
Du kannst doch nicht immer etwas tun.

Doch können Sie. Vorausgesetzt es tut Ihnen wirklich gut!
Da müssen Sie nur ehrlich zu sich selbst sein.

Ein paar Tipps zur Erholung

Sie entscheiden. Aber ein paar Tipps zur besseren Erholung gebe ich Ihnen noch mit:

  • Wenn Sie sich von Ihrer Arbeit erholen und abschalten möchten, sind alle Aktivitäten, die mit Ihrer Arbeit zu tun haben tabu.
    Also keine E-Mails, keine geschäftlichen Telefonate, kein “schnell noch ein paar Punkte der To-Do-Liste erledigen”.
  • Nehmen Sie dann auch mental Abstand von Ihrer Arbeit.
    Das heißt, Sie denken nicht über arbeitsbezogene Probleme, Herausforderungen oder Chancen nach. Dieser Abstand wirkt oft Wunder und hilft Ihnen, danach wieder mit frischem Geist, neuen Perspektiven und kreativen Lösungen an die Dinge heranzugehen.
    Ja, ich weiß, das ist schwer, wenn es gerade nicht rund läuft. Das geht am leichtesten, wenn Sie statt zu grübeln etwas tun, was Sie wirklich gerne tun.
  • Reduzieren Sie Ihren üblichen Medienkonsum.
    Für mich ist es beispielsweise total erholsam, einmal einen Tag lang nicht in den Computer zu schauen. Vielleicht tut es Ihnen gut, das Handy abzuschalten, den Fernseher zu vermeiden oder Social Media Netzwerke ein paar Stunden zu ignorieren.
  • Gönnen Sie sich – Ihrem Wesen und Ihrer Verfassung entsprechend – eine gute Mischung aus aktiver und passiver Erholung. Fehlt eines von beiden, ist das auf Dauer nicht gesund.
  • Apropos Aktivität: Bauen Sie irgendeine Art von Bewegung in Ihr Freizeitprogramm ein – idealerweise an der frischen Luft und im Grünen.
    So etwas einfaches wie ausgedehnte Spaziergänge im Grünen hat schon manchen Burn-Out Kandidaten gerettet.
  • Gestalten Sie Ihre Erholungsphase selbstbestimmt.
    Statt irgendwelchen Verpflichtungen nachzugehen oder zu tun, was Sie meinen, tun zu müssen, tun Sie in Ihrer Erholungszeit, was Sie tun wollen – nach Lust und Laune. Je mehr Ihr Alltag von vorgegeben Aufgaben und Pflichten bestimmt ist, desto wichtiger ist dieser Punkt.

In diesem Sinn: Gute Erholung!

Go for flow!

Thank you for sharing!

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