Ernährung-bei-Stress

Die Rolle der Ernährung bei Stress – mit kleinem Selbstcheck

Yoga.
Jeder hat schon davon gehört.
Unzählige haben es selbst schon ausprobiert und viele schwören darauf.
Doch wenige wissen, worum es dabei wirklich geht.

Bei uns im Westen halten die meisten Menschen Yoga für eine jahrtausendealte indische Form von Gymnastik. Doch ursprünglich hatte Yoga rein gar nichts mit Fitness zu tun.

Machen wir eine kurze Zeitreise. Vor tausenden von Jahren haben Yogis nicht auf einer Matte herumgeturnt und sich verbrezelt. Sie sind vielmehr stundenlang still gesessen und haben meditiert.

Schließlich war (und ist) das höchste Ziel im Yoga Erleuchtung.

Erleuchtung ist bei uns heute so ein mythenumwobenes Wort. Gemeint sind damit nicht irgendwelche “kosmischen Orgasmen” oder spektakuläre Gipfelerlebnisse, die genauso schnell wieder vergehen, wie sie kommen.
Im Yoga geht es um den Bewusstseinszustand im Alltag. Besser gesagt, um eine dauerhafte Erhöhung des Bewusstseins. Und letztlich darum, sich aus den Fesseln der Dualität – und dem damit verbundenen Stress – zu befreien und im Bewusstsein der Einheit zu leben.

Weniger mystisch ausgedrückt: einen klaren, ruhigen Kopf zu haben und im Dauer-Flow zu sein.

Was das mit Ihrer Ernährung zu tun hat?

Haben Sie schon jemals versucht zu meditieren, wenn Sie sich gerade den Bauch vollgeschlagen haben? Versucht, nach einem deftigen Mittagessen konzentriert zu arbeiten? Oder nach einer Süßigkeitenorgie oder ein paar Achterln geistig wach zu sein und klar zu denken?

Ein schwieriges Unterfangen. Oder?

Nahrung wirkt auf Körper, Geist und Psyche

Unsere Nahrung wirkt sich unbestritten auf unseren Körper und unser körperliches Wohlbefinden aus. Nicht nur, dass uns die falsche Ernährung auf Dauer dick und/oder krank macht. Es zwickt und zwackt schon überall, wenn wir auch nur einmal viel zu viel oder das Falsche gegessen haben – davon sich rundum wohlzufühlen, energiegeladen und geistig auf der Höhe zu sein, ist keine Rede.

Mehr noch: Die Stoffe in unserer Nahrung beeinflussen das Gehirn und wirken sich auf unser Denken, Fühlen und Handeln aus. Einerseits schädigen „falsche“ Substanzen das Gehirn, anderseits wird es oft nicht ausreichend mit allen Makro- und Mikronährstoffen versorgt, um seine Funktion optimal erfüllen zu können.

Die Folge zeigt sich beispielsweise in Form von Energiemangel, von Antriebslosigkeit, Stimmungsschwankungen, Depressionen, inneren Erregungszuständen, emotionalem Stress, schwacher Gedächtnisleistung oder mangelnder Konzentration.

Kurz: Die Substanzen in der Nahrung beeinflussen unseren Geist.
Und unser Geist formt unser Leben
.

Das wussten die Yogis schon vor Tausenden von Jahren und yogische Ernährungsrichtlinien helfen ans gewünschte Ziel zu kommen – einen klarer, ruhigen Geist zu haben und im Flow zu sein.

Keiner von uns – also keiner, der diesen Blog liest – verbringt den Großteil seines Lebens meditierend im Lotus sitzt. Dennoch helfen die Richtlinien der yogischen Ernährung, um innerlich ruhig, geistig klar und körperlich energiegeladen durch den Alltag zu gehen. Dabei geht es vor allem, um die Qualität der Nahrung.

Die Nahrungsqualität, Stress und innere Ruhe

Im Yoga unterscheiden wir drei Energie-Qualitäten – die sogenannten Gunas (siehe: Yogawiki). Nach diesen drei Eigenschaften wird auch die Nahrung eingeteilt:

  • Sattva (Reinheit, Harmonie, Leichtigkeit)
  • Rajas (Aktivität, Erregung, Unruhe)
  • Tamas (Trägheit, Dunkelheit).

Reine – sattvige – Ernährung

Sattvig sind Lebensmittel, die direkt aus der Natur stammen und auf natürliche Weise gereift sind, wie Obst und Gemüse, Kartoffeln, Hülsenfrüchte, Vollkornreis, nicht homogenisierte Milch- und Milchprodukte (leider nicht im Supermarkt zu finden), Soja, Sprossen, Olivenöl, Nüsse oder Samen, möglichst in Bio-Qualität.

Je frischer, desto besser.

Reine Nahrung braucht keine Lebensmitteletiketten. Sie enthält keine Geschmacksverstärker oder sonstige Zusatzstoffe und ist nicht bis zur Unkenntlichkeit weiterverarbeitet, vorgefertigt oder haltbar gemacht.

Sattvige Nahrungsmitteln wirken ausgleichend, harmonisierend und beruhigend und schenken uns Zufriedenheit, innere Balance und innere Ruhe.

Um energiegeladen und klar im Kopf zu sein, ist eine vorwiegend reine – sattvige – Ernährung optimal: Nahrung, die den Körper mit allen Nährstoffen versorgt, ohne ihn zu belasten, die Psyche im Gleichgewicht hält und den Geist beruhigt.

Anregende – rajasige – Ernährung

Unter rajasig fällt hingegen alles, was Körper und Geist anregt. Alle scharfen Sachen wie scharfe Gewürze und starke Kräuter, Stimu­lanzen wie Kaf­fee, Tee oder eiskalte Getränke, Fisch, Eier, Salz, Schokolade und raffinierter Zucker.
Müßig zu sagen, dass Zucker in unzähligen Lebensmitteln enthalten ist, selbst da, wo wir ihn nicht vermuten, wie in vielen Brotsorten, in Sojasaucen oder sauren Gurken.

Egal was wir essen, wenn wir das Essen hinunterschlingen und schlecht kauen, ist es rajasig.

Eine gewisse Menge an rajasiger Ernährung ist durchaus gesund und anregend im positiven Sinn. Wieviel das sein kann und welche Nahrungsmittel davon positiv wirken, ist sehr individuell und abhängig von Ihrer Lebenssituation und Ihren momentanen Anforderungen.

Im Übermaß genossen führt rajasige Nahrung zu innerer Unruhe, emotionaler Unausgeglichenheit, Ungeduld, Reizbarkeit, Ärger und Nervosität.

Wenn Sie insgesamt eher gestresst und innerlich unruhig sind, experimentieren Sie einmal damit, diese Dinge ein paar Tage lange wegzulassen oder zumindest deutlich zu reduzieren. Beobachten Sie, was passiert.

Ein persönliches Beispiel: Ich liebe Kaffee und trinke Kaffee. Allerdings hatte ich eine Phase, in der ich 5-6 Espressi (kleine Schwarze) am Tag konsumierte. Ich habe lange gebraucht, um zu überzuckern, dass meine seltsame innere Unruhe und Nervosität von meinem Kaffeekonsum kommt. Auf max. 2 Tassen reduziert und vorbei war der Spuk.

Jetzt ist es aber leider so, dass viele, wenn sie sich gestresst und unausgeglichen fühlen, besonders gerne zu rajasigen Nahrungsmitteln greifen. Zum Beispiel eiskaltes Cola (mein Standardaufputschmittel in meinem früheren Leben als Kommunikationsberaterin), Red Bull oder Kaffee trinken, um sich zu pushen und länger durchzuhalten. Es braucht manchmal ein bisschen Disziplin, aber vor allem Bewusstsein, um nicht in diese Falle zu tappen und so in einen Teufelskreis zu geraten.

Träge machende – tamasige – Ernährung

Tamasig sind Nahrungsmittel, die kein Prana, keine Lebensenergie (mehr) enthalten: unreife, faulende, sterilisierte, verkochte und haltbar gemachte Lebensmittel sind tamasig. Darunter fallen Fertiggerichte, Mikrowellenessen, Konserven und fermentierte Nahrungsmittel.

Jedenfalls alles, wo Sie eine eigene Ausbildung brauchen, um das Etikett zu verstehen. Müßig zu sagen, dass die meisten Fertigsüßigkeiten und sonstige zuckerhaltigen Genussmitteln tamasig sind. Alkohol und Tabak gehören ebenfalls in diese Gruppe.

Und: Zu viel essen ist tamasig.
Nicht schwierig nachzuvollziehen, wenn man bedenkt, wie träge man sich nach einer Essorgie fühlt.

Tamasige Nahrungsmittel nützen weder Körper noch Geist. Im Gegenteil, sie sind schwer verdaulich, rauben uns Lebensenergie und machen den Verstand träge.

Ich will ja kein Spielverderber sein und Ihnen jeglichen Genuss mit einem schlechten Gewissen vermiesen. In Maßen genossen ist alles in Ordnung. Wenn Sie ehrlich zu sich sind, wissen und spüren Sie selbst am besten, wo Sie über die Stränge schlagen und ob sich dieser “Genuss” langfristig lohnt.

Tamasige Nahrungsmitteln machen es jedenfalls schwerer, dass sich in sich ruhen und klar im Kopf sind.

Ja, sie machen auch dick.
Nicht nur, weil viele tamsigen Genussmitteln Kalorienbomben sind.
Wenn der Körper über die Nahrung nicht die Lebensenergie und nicht die Nährstoffe bekommt, die er braucht, dann macht er sich mit Heißhunger bemerkbar. Was wiederum dazu führt, dass wir mehr essen – leider oft wieder mehr vom Falschen. Die Nahrungsmittelhersteller wissen genau, welche Zusätze, welchen Geschmack, welche Konsistenz die Genussmittel haben müssen, damit wir danach gieren. So sitzen wir in der Falle.

Je mehr tamasige Nahrungsmittel auf unserem täglichen Speiseplan stehendesto wahrscheinlicher müssen wir die entsprechenden Folgen in unserem Leben tragen. Wenn Sie das nicht möchten, bleibt Ihnen nichts anderes übrig als dieses Zeug möglichst zu reduzieren.

Ein kleiner Selbstcheck

Schätzen Sie einmal ganz grob, wieviel Prozent Ihrer Nahrung in welche der 3 Kategorien fällt.

___ % reine Nahrung
___ % anregende Nahrung
___ % träge machende Nahrung

Ohne Selbstvorwürfe! Einfach nur bewusst machen.

Ich esse zum Beispiel zu einem großen Teil reine Nahrung (Zur Beruhigung: Das war nicht immer so, ganz im Gegenteil). Neige aber noch immer dazu, rasend schnell zu essen, was die Verteilung schon nicht mehr so rosig aussehen lässt.

Außerdem können Sie beginnen zu beobachten, wie Sie sich nach dem Essen fühlen:

  • genährt, zufrieden, ausgeglichen, in Balance
  • im positiven Sinn angeregt oder z.B. unruhig, nervös, fahrig
  • träge, schwer, energielos, müde

Bei jedem Menschen wirkt Nahrung anders. Vielleicht gibt es Nahrungsmitteln, die hier als sattvig beschrieben werden und Ihnen nicht guttun. Vielleicht gibt es tamasige Nahrungsmitteln, die Ihnen bestens bekommen; bekanntlich fühlen sich viele Menschen mit einer Steinzeit–Ernährung oder mit Low-Carb – also wenig Kohlenhydraten und mehr Eiweiß – sehr wohl.

Experimentieren Sie!

Bei Nahrungsmitteln, die Sie häufig und in größeren Mengen zu sich nehmen, lohnt es sich besonders, sich über Wirkung und unerwünschte Nebenwirkungen bewusst zu werden. Sonst zerbrechen Sie sich den Kopf über Ihre Psyche und geistige Verfassung, obwohl die Ursache ganz einfach beim Essen liegt.

Selbst wenn Sie das nicht sofort verändern, wissen Sie wenigstens, wo es herkommt und dass es diesen Ansatzpunkt gibt.

Und es kann sich wirklich lohnen, hier anzusetzen: Erst unlängst gab es einen Fall, wo eine Ernährungsumstellung zum Ende einer langen depressiven Phase geführt hat. Ja, manchmal wirkt hier eine Veränderung Wunder.

Go for flow!
Su Busson

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