Flow-Zustand

9 Merkmale des Flow-Zustandes nach Mihály Csíkszentmihályi

Wenn zwei das Gleiche erleben, ist es noch lange nicht dasselbe.

Angenommen ich mache hier eine Umfrage, was im Flow sein bedeutet, und frage Sie: Was ist Flow für Sie? Wann sagen Sie: 

Ich bin im Flow.

Im Flow sein heißt für mich…

Wie lautet Ihre Antwort?

Mir sind schon die unterschiedlichsten Antworten zu Ohren gekommen.
Die einen sagen „Ich bin im Flow“, wenn die Dinge gut laufen.
Manche verstehen darunter, dass sie in ihrer Mitte sind – in sich ruhend und gleichzeitig voller Power.
Manche bezeichnen mit Flow den Zustand, in dem sie die Welt rund um sich vergessen und völlig in einer Tätigkeit aufgehen.
Für andere ist Flow der Spitzenzustand, in dem sie ihre Bestleistung bringen und auf entspannt Weise hochproduktiv sind.

Hier gibt es keine richtigen oder falschen Antworten. Unterm Strich sind sich alle einig: Es ist ein wunderbares Gefühl.

Und letztlich stimmt alles. Flow ist der Bewusstseinszustand, in dem unsere beste Version am Werk ist und sich das Leben auf fast magische Weise entfalten kann.

Ja, Wunder sind für mich persönlich ein typisches Zeichen, dass ich im Flow bin. Weniger mystisch ausgedrückt: Ich erlebe im Flow Synchronizitäten – habe das Gefühl, genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein und das Richtige zu tun, und “zufällig” passieren genau die richtigen Dinge.

Synchronizitäten sind aber kein “klassisches” Flow-Merkmal.

Der Flow-Zustand nach Mihály Csíkszentmihályi

Damit kommen wir zu dem Mann mit dem unaussprechlichen “Hai”-Namen, dem “Vater” des Flow-Konzepts: Mihály Csíkszentmihályi [Sprich: Mi-hai Tschick-Sent-Mi-Hai-i]. Die meisten, die über das Thema Flow schreiben, zitieren ihn und jene Merkmale, die er bei der Untersuchung von Spitzenleistungen, Glück und Arbeitszufriedenheit entdeckt hat.

Schauen wir uns also an, was zum waschechten – im Sinn der offiziellen psychologischen Definition – Flow-Zustand [siehe Wiki Definition] dazugehört.
[Darüber sind sich übrigens auch nicht alle Experten ganz einig. Somit hat die Liste weder Anspruch auf Vollständigkeit noch müssen alle Merkmale erfüllt sein, damit Sie von Flow reden dürfen.]

Die Flow-Bedingungen:

Beginnen wir mit 4 Grundbedingungen oder, sagen wir besser, Voraussetzungen, die es leichter machen den Flow-Zustand zu erleben. Offiziell werden meist nur Punkt 1 und Punkt 2 genannt, aber auf die folgenden 4 Punkte haben Sie einen unmittelbaren Einfluss:

1. Ein klares Ziel

Damit Sie bei einer Aufgabe in den Flow finden, müssen Sie sich erst einmal darüber im Klaren sein, was Sie genau tun wollen und worauf es ankommt.

Ein klassisches Beispiel ist der Bergsteiger, der den Gipfel erklimmen möchte und dazu Meter für Meter klettern muss. Oder der Tennisspieler, der ein Match gewinnen will und dafür Bälle übers Netz in ein begrenztes Feld schlagen muss.

Im Arbeitsalltag liegt das Ziel einer Aufgabe oder eines Vorhabens leider oft im Nebel; ist nicht klar definiert. Wenn Sie aber während einer Tätigkeit ständig darüber nachdenken, wo das hinführen soll, warum Sie das tun und was Sie eigentlich erreichen wollen, stockt es.

Flow-technisch macht es daher Sinn, sich BEVOR Sie eine Aufgabe angehen, eine klare Absicht zu setzen. Die Absicht:

  • worauf Sie sich jetzt fokussieren wollen,
  • was Sie für die nächsten X Minuten/Stunden tun werden und
  • was das gewünschte Ergebnis ist.

ACHTUNG:
Zuviel Fokus auf das Endergebnis bewirkt in vielen Fällen Stress und Druck statt Fluss.

Stellen Sie sich vor, Sie spielen Tennis und wollen unbedingt ein Match gewinnen. Oder von mir aus auch Golf und Sie wollen unbedingt den Ball mit drei Schlägen einlochen. Wenn Sie sich während des Spiels zu sehr auf das Ergebnis fixieren, krampfen Sie sich höchstwahrscheinlich ein. Statt im Flow zu spielen, spielen Sie verheerend.

Das gilt genauso im Business und bei beruflichen Vorhaben: Wenn wir uns zu sehr auf ein Endergebnis versteifen, geht die Leichtigkeit flöten. Csíkszentmihályi betont in seinem Buch Flow – das Geheimnis des Glücks, wie wichtig es für den Flow ist, die Erwartung eines Erfolgs der Handlung loszulassen und eine Tätigkeit spielerisch anzugehen. Sich keine Gedanken über Ziele und Ergebnisse zu machen.

Flapsig gesagt: Machen Sie sich zuerst klar, was Sie tun und erreichen möchten. Und dann: Tun Sie, was zu tun ist. Ohne sich darum zu scheren, was am Ende rauskommt.

2. Eine machbare Herausforderung

Flow entsteht, wenn Sie Ihre Fähigkeiten einsetzen und Ihr Bestes geben müssen, um eine Aufgabe zu bewältigen. Wenn Sie gefordert sind, ohne überfordert zu sein.

Eine Aufgabe, die Ihr Können bei weitem übersteigt, verursacht irgendetwas zwischen Stress, Sorge, Angst und Resignation. Umgekehrt, wenn Sie etwas tun, das Sie nur wenig bis gar nicht fordert, sind Sie irgendetwas zwischen innerlich sicher, entspannt, gelangweilt oder frustriert.

Um in den Flow zu finden, darf eine Aufgabe weder zu leicht noch zu schwer für Sie sein. Die Herausforderung muss stimmen und das ist dann der Fall, wenn Sie aus Ihrer Komfortzone raus müssen, ohne in die Panikzone zu geraten.

Ob das klappt oder nicht, hängt nicht nur von der Aufgabe und Ihren Fähigkeiten ab, sondern auch davon wie Sie Ihre Aufgabe angehen. Schwierige Aufgaben lassen sich oft in einfachere Häppchen zerteilen, die sich im Flow erledigen lassen. Genauso gut können Sie Routinetätigkeiten oder anspruchslose Arbeiten aufpeppen und zu einer Lernerfahrung machen, die nicht selten mit ein Flow-Gefühl verbunden ist.

[Mehr dazu siehe: Flow-Kanal: Aufgaben im Fluss erledigen]

3. Intrinsische Motivation

Wenn du liebst, was du tust, musst du nie wieder arbeiten.

 Sagt ein Sprichwort.

Wenn du liebst, was du tust, wirst du oft im Flow sein.

 Sage ich.

Lieben Sie Ihr Arbeit und Ihre Aufgaben? Oder machen Sie Ihren Job nur, um Geld zu verdienen, Macht zu erlangen oder Anerkennung einzuheimsen?

Nicht, dass Letzteres verwerflich wäre, es ist nur oft nicht zufriedenstellend und nicht besonders flow-förderlich. [Siehe auch: Welche Bedeutung hat Ihre Arbeit?]

In den Flow kommen wir nämlich am leichtesten, wenn wir von innen heraus motiviert sind und freiwillig tun, was wir tun. Ganz einfach, weil es Freude macht, den eigenen Interessen und Talenten entspricht oder tiefe Bedürfnisse erfüllt. Das Tun an sich bringt Zufriedenheit. Egal was dabei am Ende rauskommt. Egal, was wir dafür bekommen.

Im Fachchinesisch wird Flow als autoletische Tätigkeit bezeichnet. Autoletisch kommt aus dem grieschichen, wo “autos” selbst und “teles” Ziel bedeutet. Nicht erst das Ziel ist befriedigend, sondern schon die Tätigkeit selbst lohnt sich. Und wenn uns eine Tätigkeit leicht in den Flow bringt, ist das Anreiz genug, aktiv zu werden.

Der Ordnung halber wollen wir aber festhalten: Weder Geld noch sonst eine Belohnung ist ein Hindernis, um im Flow zu arbeiten. Und mit der richtigen inneren Einstellung können Sie selbst unliebsame Tätigkeiten im Flow erledigen.

Leichter klappt es, wie immer, mit Liebe und Begeisterung.

4. Konzentration

Genau genommen ist willentliche Konzentration kein Flow-Merkmal. Sich auf Dauer zu konzentrieren ist anstrengend, ermüdend und oft wenig zielführend. Also das Gegenteil von Flow.

Aber: Konzentration ist eine wichtige “Türe”, um in den Flow-Zustand zu gelangen.

Im Flow ist die Aufmerksamkeit auf entspannte Weise fokussiert – eine natürliche Art von Konzentration. Damit dieser Zustand der vollen Präsenz und mühelosen Konzentration leichter eintreten kann, ist es sinnvoll sich erstmal bewusst zu konzentrieren: 

  • Sich einer Sache zu widmen statt Multitasking zu betreiben. Nicht umsonst, geht es bei Punkt 1 um Ihre klare Absicht.
  • Sich einen Rahmen zu schaffen, in dem Sie sich gut konzentrieren können.
  • Sämtliche Ablenkungen auszuschalten.
  • Sich in dieser Zeit nicht stören zu lassen.
  • Präsent und mit Ihrer Aufmerksamkeit bei der Sache zu sein.

Das alles liegt in Ihrer Hand. Fakt ist, Sie werden sich wesentlich leichter auf eine Aufgabe konzentrieren können, die Sie interessiert und zu der Sie motiviert sind. Mit ein Grund, warum Punkt 3 so wichtig ist.

Mit Punkt 1 bis 4 haben Sie viele Ansatzpunkte, um öfters in den Flow zu kommen.

Was im Flow passiert

Der Flow-Zustand lässt sich nicht willentlich erzeugen. Es ist ein Zustand jenseits des Verstandes – ein Seins-Zustand.

Folgende Merkmale sind typisch für diesen Zustand und treten manchmal einzeln und oft in Kombination auf:

5. Volle Präsenz und fokussierte Aufmerksamkeit

Im Flow sind Sie vollkommen wach und präsent. Ganz im Hier und Jetzt. Bewusst im gegenwärtigen Moment.

Fokussierte Aufmerksamkeit ist der wichtigste Bestandteil jeder herausragenden Leistung. Unabhängig davon wer Sie sind, wie alt Sie sind und was Sie tun: Wenn Sie fokussiert sind, bringen Sie Ihre beste Leistung.

Dieser Zustand ist in Wahrheit nicht außergewöhnlich. Diese Art von Aufmerksamkeit ist vielmehr unser natürlicher Seins-Zustand und war für uns selbstverständlich bevor wir gelernt haben, unseren Verstand überzubewerten und überzustrapazieren.

Es gibt einen Teil in uns, der immer präsent und aufmerksam ist. Der ist nur leider all zu oft überlagert vom Müll im Kopf, von Ängsten und Sorgen, von Gedanken an Vergangenheit und Zukunft.

Im Flow finden Sie in Ihren “Natur-Zustand” zurück und dann wird es herrlich.

6. Mühelosigkeit

Im Flow gehen Ihnen die Dinge mit Leichtigkeit von der Hand. Alles läuft harmonisch und mühelos ab. Eine Handlung fließt in die nächste. Ein Schritt folgt dem anderen. Reibungslos. Im Flow eben.

Das heißt nicht, dass das, was Sie tun, tatsächlich einfach ist. Aber Sie kennen das Phänomen: Wenn Sie Roger Federer oder Tiger Woods bei ihrem Spiel zusehen, wirkt das kinderleicht. Je besser jemand in dem ist, was er tut, desto simpler schaut es von außen aus. Der Flow ist “sichtbar”.

Diese Mühelosigkeit hat noch einen interessanten und äußersten positiven Effekt: Sie bringen Leistung, ohne zu ermüden. Wenn Sie im Flow sind, haben Sie eine enorme Kraft, die aus einem unerschöpflichen Reservoir zu kommen scheint.

Und noch erstaunlicher: Nachdem Sie eine Tätigkeit im Flow erledigt haben, haben Sie oft mehr Energie als vorher.

Flow ist damit das beste Mittel gegen Burnout.

7. Gefühl von Kontrolle

Im Flow haben Sie das subjektive Gefühl, alles im Griff zu haben. Die eigenen Handlungen laufen wie selbstverständlich ab [siehe Punkt 6]. Sie fühlen sich sicher, in dem, was Sie tun – selbst wenn es objektiv betrachtet schwierig oder gefährlich ist. Frei von Sorgen und Zweifel denken Sie gar nicht daran, dass etwas schiefgehen könnte.

ACHTUNG:
Das Gefühl von Kontrolle tritt im Flow automatisch auf. 

Zäumen Sie das Pferd nicht von hinten auf.

Wenn wir versuchen willentlich das Gefühl von Kontrolle zu erlangen, stricken wir uns selbst einen Knoten in den Flow. Dann meldet sich nämlich gerne der Kopf zu Wort, der meint, die Zügel in die Hand nehmen und alles kontrollieren zu müssen, um sich sicher zu fühlen.

Zurück zum Sport: Was passiert, wenn der Kopf beim Tennis- oder Golfspielen jeden Schlag kontrolliert?

Typischerweise rennt dann im Kopf ein innerer Dialog ab. So was wie: Du musst den Schläger anders halten, sonst wird das nichts. O je, das war ein schlechter Schlag! Hohl weiter aus! Wieder nix. Schau doch auf den Ball! Na geh, heute klappt ja gar nichts!

Was glauben Sie, wie förderlich diese Art von Kopfkontrolle für den Flow ist?

Kopfkontrolle ist im Sport genauso eine Flow-Bremse wie im Leben.

Flow tritt auf, wenn der Geist ruhig und klar ist – der Kopf nicht ständig sagt “Tu dies”, “Tu jenes”, “Du musst”, “Du darfst nicht” und so weiter. Wenn der Verstand aufhört sich einzumischen, kommt ein Teil von uns zum Zug, der richtig gut ist und aus sich heraus, weiß wie es geht. Beziehungsweise einfach aus jeder Erfahrung lernt und immer besser wird.

Das heißt: Um in den Flow zu kommen, geht es darum, die typische Kopfkontrolle loszulassen und es fließen lassen. Nur dann tritt die Mühelosigkeit zutage und damit ein Gefühl von innerer Sicherheit. Was wiederum die Ursache für das Gefühl von Kontrolle ist.

Ja, ich weiß. Die Kopfkontrolle loszulassen ist oft leichter gesagt als getan.
Was in jedem Fall hilft ist Punkt 4.: mit Ihrer Aufmerksamkeit ganz bei der Sache zu sein – und nicht beim Endergebnis. Bei voller Konzentration verstummt der innere Dialog im Kopf. Es ist kein Platz für Selbstzweifel und blockierende Gedanken.

8. Verlust des Zeitgefühls

Im Flow bestätigt sich, was Einstein erkannt hat: Zeit ist relativ.

Eine Flow-Erfahrung endet oft mit den Worten:

Huch, schon sooo spät! Die Zeit ist ja wie im Flug vergangen.

Gleichzeitig taucht im Flow das Phänomen auf, dass sich eine Minute wie eine Stunde anfühlt – die Zeit stillzustehen scheint.

Das Zeitempfinden ist im Flow häufig verzerrt. Manche sprechen vom zeitfreien Flow-Modus.

Wenn Sie darüber nachdenken, bei welchen Tätigkeiten Sie die Zeit vergessen, die Zeit stehen bleibt oder im Handumdrehen vergeht, stoßen Sie mit höchster Wahrscheinlichkeit auf Unternehmungen und Aufgaben, die Sie in den Flow befördern.

Die Zeit kann aber auch ein “Hilfsmittel” sein, um im sogenannten Flow-Kanal zu arbeiten. Wenn Sie zu einer bestimmten Zeit mit einer Aufgabe fertig sein müssen, dürfen Sie die Zeit nicht ganz aus den Augen verlieren. Der Druck, es rechtzeitig zu schaffen, kann – solange er im grünen Bereich liegt – die nötige Herausforderung darstellen, um beim Tun in den Flow zu kommen.

9. Selbstvergessenheit

Im Flow passiert es: Sie verlieren sich selbst. Und zwar auf beste Weise.
Sie gehen ganz in einer Tätigkeit auf. Sie – als getrennte Persönlichkeit – “verschwinden” und stattdessen fühlen Sie sich vollkommen eins.

Sie sind eins mit Ihrem Tun. Eins mit dem Rest der Welt.

Sie verlieren natürlich nicht Ihr Bewusstsein. Im Gegenteil. Sie sind in einem sehr hohen Bewusstseinszustand. Nur Ihr Selbst-Konstrukt – Ihre Gedanken über sich selbst, über Ihr Handeln, Ihre Ängste und Sorgen – lösen sich auf.

Ihr “Ego” verschwindet.

Was hier “Flow” genannt wird, wird im Yoga und in anderen spirituellen Traditionen als Erleuchtungserfahrung bezeichnet – eine Erfahrung des reinen Bewusstseins. Eine Erinnerung daran, wer wir wirklich sind, was in uns steckt und was uns alle miteinander verbindet.

Nicht jeder Flow ist gleich eine Erleuchtung. Flow-Erfahrungen gibt es in verschiedensten Nuancen, Facetten und Intensitätsgraden – vom Micro-Flow bis zum tiefen Flow-Erleben. Bei weitem nicht immer sind alle Merkmale erfüllt. Aber schon allein die natürliche Präsenz und Mühelosigkeit im Flow fühlen sich großartig an.

Egal ob Micro- oder Deep-Flow: Je mehr solcher Momente wir erleben, desto mehr finden wir zu unserer wahren Größe und leben unser volles Potenzial.

Wenn Sie mehr über Ihre höchstpersönlichen Anlagen erfahren und wissen möchten, wie Ihre Matrix funktioniert und wie Sie in den Flow finden: Matrix-Analysen

Go for flow!
Su Busson

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