Leistungsdruck bewältigen

Leistungsdruck bewältigen, ohne härter zu arbeiten

Es gibt einen Mythos über harte Arbeit.
Einen Mythos, der uns eingetrichtert wurde.
Ein Mythos, der sagt, der einzige Weg, um etwas zu erreichen ist harte Arbeit.

Auch im Alphabet kommt Anstrengung vor Erfolg.
Harte Arbeit schlägt Talent.
Ohne Fleiß kein Preis.

Diese und ähnliche Sprüche kennen Sie sicherlich. Wenn wir etwas erreichen wollen, müssen wir uns eben anstrengen. Zusammenreißen. Reinbeißen. Dranbleiben. Aushalten. Alles geben. Auch wenn es weh tun. Fertig.

Leistungsdruck und die Reaktion darauf

Leistungsdruck ist das Gefühl, leisten zu müssen. Und zwar mehr als uns locker von der Hand geht. Mehr, als wir denken, leisten zu können. Mehr, als wir meinen, zu schaffen. Ein unangenehmes, oft sogar bedrohliches Gefühl.

Was tun viele bei Leistungsdruck? Sie strengen sich (noch) mehr an und arbeiten (noch) härter, in der Hoffnung das unangenehme Druckgefühl loszuwerden. Auch wenn sie dabei eigene Bedürfnisse übergehen, Grenzen überschreiten, körperliche Warnsignale und Burnout-Anzeichen missachten müssen. Auch wenn sie dadurch im Hamsterrad laufen und rennen und rennen und rennen.

“Härter und mehr” ist bei Leistungsdruck aber leider eine schlechte Strategie.

Ich war lange Zeit auch Personal-Trainerin und durfte meine Schützlinge körperlich fit machen und in Form bringen. Sobald mir ein Trainee einen gequälten “Kann-ich-bitte-aufhören” Blick zuwarf, pflegte ich zu sagen: “Mach weiter. Streng dich an. Erst wenn es anfängt, unangenehm zu werden, wirst du besser.”

Im Coaching – wenn es um weniger Stress, Ängste und Sorgen und um mehr Flow geht – würde ich das nicht sagen. Denn dieser Ansatz ist höchst kontraproduktiv: Sich innerlich unter Druck zu setzen, mehr anzustrengen und härter zu arbeiten, macht Sie weder besser noch leistungsfähiger noch wirkungsvoller – und schon gar nicht glücklich. Obwohl das oft behauptet wird.

Die Idee, unter Druck mehr zu leisten

Immer wieder bekomme ich in der Coaching-Praxis zu hören: 

Ja, aber unter Druck bin ich besonders produktiv.

Dahinter steckt ein Denkfehler. Nur, weil zwei Phänomene – nämlich Druck und Produktivität – gleichzeitig auftauchen, heißt das noch lange nicht, dass das eine das andere bedingt. Regenschirme verursachen keinen Regen; Druck keine Produktivität.

Die Wahrheit ist: Unter Druck sind viele deswegen produktiv, weil sie sich voll fokussieren auf das, was zu tun ist, ganz bei der Sache sind und zu Ablenkungen Nein sagen und dadurch in den Flow kommen.
Das geht auch ohne Druck – besser sogar. Nur nutzen die meisten diese hocheffizienten Produktivitätsfaktoren ohne Druck seltener und weniger konsequent.

Falls Sie also denken, Druck sei die Ursache Ihrer Produktivität, sollten Sie diesen Glaubenssatz überdenken. Zahlreiche Studien zeigen jedenfalls, dass unter Druck und Stress auf Dauer das Leistungsniveau dramatisch sinkt.

Der Leistungsdruck nimmt in der Arbeitswelt zu

Zahlreiche Studien belegen allerdings auch, dass der Zeit- und Leistungsdruck in der Arbeitswelt zunimmt. Die Anforderungen steigen. Wir müssen schneller und effizienter arbeiten, um alles zu schaffen. Und viele haben nebenbei auch noch einen Haushalt und eine Familie zu managen.

Die zunehmenden Burnout Zahlen bestätigen leider, was ich hier gerade predige: Mehr ist nicht mehr. Härter ist nicht besser.

Wir brauchen eine andere Lösung, um mit Leistungsdruck umzugehen und gleichzeitig die Produktivität zu steigern. Und zwar ohne dabei auszubrennen.

Wie wir Sie mehr schaffen, ohne härter zu arbeiten.

Vor allem bei Leistungsdruck: Erlauben Sie sich, es entspannt anzugehen. Lehnen Sie sich zurück, atmen Sie durch und erinnern Sie sich daran, dass Sie nicht ALLES schaffen, nicht alles im Griff haben und nicht alles sofort und selbst erledigen müssen. Es sitzt Ihnen keine Lebensbedrohung im Nacken – auch nicht, wenn es sich so anfühlt.

Bevor Sie sich in Aktivitäten stürzen, warten Sie, bis Ihnen klar ist, was für Sie als Nächstes zu tun ist.

Hören Sie mehr auf Ihre inneren Impulse und tun Sie Schritt für Schritt, was Sie eben tun können. Innerlich stress-befreit schaffen Sie auf Dauer mehr.

Wie soll das denn bitte gehen, fragen Sie?

Durchschauen Sie Ihr Kopfkino

Ja, zunehmend kommen hohe Anforderungen von außen auf uns zu. Ja, oft wird auch Druck ausgeübt. Ja, das Arbeitspensum ist in der Regel mehr geworden.
Die gute Nachricht: Das Gefühl der Überforderung und das Gefühl leisten, zu müssen, kann die Außenwelt NICHT in Ihnen auslösen.

Fakt ist: Sie erleben nicht die Außenwelt, sondern Ihre Gedanken in diesem Moment. Dieses Prinzip ist fixer Teil des Menschseins. Sie fühlen Ihr augenblickliches Denken.

Das heißt, wenn Sie druckvolle Gedanken haben, fühlen Sie sich unter Druck. Wenn Sie überfordernde Gedanken haben, fühlen Sie sich überfordert. Wenn Sie stressige Gedanken haben, fühlen Sie sich gestresst. Ich behaupte nicht, dass sich das nicht sehr real anfühlt und ziemlich unangenehm sein kann. So wie ein schlechter Traum eben.

Bei Leistungsdruck drehen sich die Gedanken üblicherweise ständig darum, was wir alles tun, schaffen, erreichen oder erledigen müssen. Gerade unter Druck neigen wir zu Katastrophen-Szenarien im Kopf. Wir malen uns aus, wie unsere Existenz in Gefahr ist, wir unseren Job verlieren oder sonst etwas Dramatisches passiert, wenn wir nicht schaffen, was wir denken, unbedingt schaffen zu müssen.

Wenn ich das nicht schaffe, dann…

Oft läuft dieses Gedankenkino im Hintergrund – ohne dass wir das bewusst mitbekommen. Wir fühlen uns schlecht und denken, die Außenwelt ist schuld. Dabei machen wir uns selbst Angst, weil wir unseren Gedanken-Fantasien glauben schenken.

Angst ist kein guter Ratgeber. Wir sind abgeschnitten von unserer inneren Weisheit. Meinen, jetzt sofort handeln zu müssen. Handeln angstbesetzt statt inspiriert. Dementsprechend sieht das Ergebnis aus. Der Druck wir größer, der Kampf härter, die Angst mehr.

Die zweite gute Nachricht: Sie müssen den Gedanken, die durch Ihren Kopf ziehen, keinen Glauben schenken.

Wenn sich selbst gedanklich ängstigen, stressen und unter Druck setzen, bringen Sie sich aus dem Flow und schneiden sich von der Intelligenz des Lebens und der universellen Weisheit ab. Das ist das, was sich wirklich ungut anfühlt.

Sobald Sie hingegen erkennen, dass Ihr Kopf Ihnen ein Schnippchen schlägt und es in Wahrheit nicht um Leben und Tod geht (zumindest in den seltensten Fällen) und nicht einmal um die Außenwelt, können Sie sich entspannen und die Dinge in aller Ruhe angehen. Eines nach dem anderen. So gut es geht.

Ein klarer, ruhiger Kopf kann Ihnen viele Stunden harte Arbeit ersparen. Sie arbeiten entspannt und inspiriert statt von Angst getrieben zu sein. Sie sind im Flow. Ja, möglicherweise müssen Sie Dinge streichen, aber Sie werden wissen, was. Möglicherweise müssen Sie viel und lange arbeiten, aber es wird sich völlig anders anfühlen. Im Flow haben Sie trotz hoher Anforderungen und wenig Zeit kein Gefühl von Druck. Sie leisten ohne auszubrennen. Die Arbeit fühlt sich mühelos an.

Und steigen Sie bei Leistungsdruck runter vom Gas

Statt unter Leistungsdruck automatisch aufs Gas zu steigen und härter zu arbeiten, kümmern Sie sich zuerst um Ihren inneren Zustand. Experimentieren Sie – soweit das in der Praxis machbar und möglich ist – damit beispielsweise:

  • ein paar Minuten die Füße hochzulegen und tief durchzuatmen
  • zu meditieren oder sich einfach mal alles von der Seele zu schreiben
  • sich zu erden
  • ein gutes Buch oder einen interessanten Artikel zu lesen
  • einen inspirierend TED-Talk anzuschauen
  • in der Natur spazieren zu gehen, zu joggen oder Yoga zu machen.
  • Musik zu hören, zu singen oder zu tanzen
  • zu lachen oder zumindest zu lächeln
  • jemanden eine Freude zu machen
  • mit einem netten Kollegen/In Mittagessen zu gehen
  • Freunde zu treffen
  • kalt zu duschen, ein warmes Schaumbad zu nehmen oder sich massieren zu lassen

Das sind nur Ideen. Sie wissen, worum es geht und werden Ihre eigenen Mittel und Wege finden, zuerst zu sich zu kommen. Bei Druck nicht sofort loszulegen, scheint allerdings oft völlig kontraproduktiv zu sein.

Die große Herausforderung ist bei Leistungsdruck, zunächst einmal die innere Bremse zu ziehen. Erinnern Sie sich daran, dass weniger mehr ist. Dass angstbesetztes Handeln kontraproduktiv ist. Und sich die Dinge auf die richtige Weise entwickeln, auch wenn es gerade nicht so aussieht. Oder wie es auf Englisch so schön heißt:

Life isn’t happening to you. Life is happening for you.

Wenn Sie sich innerlich entspannen und im Kopf loslassen, werden Sie Ihre innere Weisheit hören. Sie werden wissen, was für Sie jetzt wirklich zu tun ist und wo und wie Sie am besten ansetzen. Und dann tun Sie einfach, was zu tun ist. So gut es geht. Interessanterweise erledigen sich dann sogar manche Dinge auf wundersame Weise von allein.

stressbefreit - StressbewältigungGo for flow!
Su Busson

Dieser Blog-Text enthält Auszüge aus meinem neuesten Buch: stressbefreit
© 2019 by Orac/Verlag Kremayr & Scheriau GmbH & Co KG, Wien

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