New-Work

New Work Experience 2018 – die Zukunft der Arbeit

Wie werden wir in Zukunft arbeiten?

Eine Frage, die viele Gemüter bewegt. 1.600 Teilnehmer kamen am 6. März zur 2. New Experience von Xing, dem Großevent zur Zukunft der Arbeit:
80 Redner, 12 Bühnen und 40 Stunden Programm in 6 Locations in der Hamburger Hafencity.

Der Vormittag fand in der beindruckenden Elphilharmonie statt. Allein schon um dieses Bauwerk zu sehen, hat sich die Reise gelohnt. Auf der Bühne erschienen dann auch noch hochkarätige Speaker wie Philosoph Richard David Precht, Siemens-Personalvorständin Janina Kugel, DM-Gründer Götz Werner, sowie der Informatiker und Kapazunder für moderne Künstliche Intelligenz (KI) Jürgen Schmidhuber.

Am Nachmittag stand ein reiche Auswahl ein Workshops, Panels und DNA 3ern in diversen Locations der Hafencity am Programm.

Best-of New Work Experience 2018

Ein Auszug der Aussagen, Denkanstöße und Zitate, die mir in Erinnerung geblieben sind – frei widergegeben und gefiltert durch mein bescheidenes Verständnis:

New Work aus philosophischer Sicht

Richard David Precht spricht von der vierten industriellen Revolution.
New Work ist somit kein chices Modewort für eine Ideologie oder ein Programm, das in Unternehmen eingeführt wird oder eben nicht. New Work steht für einen tiefgreifenden Wandel, der in der Wirtschaft stattfindet. Mehr noch, die Digitalisierung prägt und verändert nicht nur die Arbeitswelt, sondern unsere Gesellschaft und unser ganzes Leben.

Laut einer Oxford Studie werden bis zu 47% der Jobs in absehbarer Zukunft wegfallen bzw. automatisiert werden. Allein in Deutschland könnte das 10 bis 20 Mio. Jobs betreffen. Keiner hat eine Glaskugel, aber die Tendenz dürfte wohl stimmen.

Was wie eine schlechte Nachricht klingt, hat allerdings auch eine gute Seite: in allererster Linie gehen Arbeitsplätze mit Routinetätigkeiten verloren. Jobs, die niemand besonders gerne macht.

Apropos gerne arbeiten, mit der digitalen Revolution könnte ein Menschheitstraum wahr werden: „Die Befreiung des Menschen von der entfremdeten Arbeit.“, sagt Precht. Zu arbeiten liegt in der Natur des Menschen, ein freudloser 9 to 5 Job nicht.
Wir werden in Zukunft also weniger arbeiten, um Geld zu verdienen, sondern vielmehr der Arbeit nachgehen, der wir nachgehen wollen. Weniger langweilige Arbeit, weniger Knochenjobs, weniger Routinen.

Für Frithjof Bergmann, Begründer der New Work Bewegung, geht es bei New Work genau darum: Jeder Mensch kann und sollte eine Arbeit finden, die mit seinen eigenen Wünschen, Hoffnungen, Träumen und Begabungen überstimmt.

Glücklich arbeiten und seine Berufung leben. Ein bedingungsloses Grundeinkommen, das durch eine Finanztransaktionssteuer bezahlt werden könnte, könnte diesen Traum möglich machen. Und Menschen, die Ihren Arbeitsplatz verlieren, zumindest absichern.

Als weitgehend zukunftssicher gelten übrigens Berufe, in denen menschliche Wärme und Empathie gefragt sind. Die Fähigkeit sich in andere Menschen einzufühlen und angemessen zu reagieren, kann eben durch Maschinen nicht so leicht ersetzt werden.

Precht spricht außerdem davon, wie wichtig Persönlichkeitsbildung und lebenslanges Lernen in Zukunft sein werden. Dank Digitalisierung nimmt die Bedeutung von Soft Skills gegenüber Hard Skills immens zu. Wissen ist in der heutigen Zeit nun einmal viel leichter verfügbar als früher. Dafür wird Teamfähigkeit und alles, was dazu gehört immer relevanter – wir müssen mit anderen Menschen besser auskommen, zusammenarbeiten und kooperieren.

Noch ein Precht-Ausspruch, der mir in Erinnerung blieb:
Geschichten entstehen dort, wo wir vom Plan abweichen.
Wenn wir alles planen und vorhersehen könnten, wäre der ganze Zauber des Lebens vorbei. Wie wahr.

New Work aus Sicht des Vaters der modernen künstlichen Intelligenz

Jürgen Schmidhuber spricht über die Zukunft der Künstlichen Intelligenz, die übrigens fast jeder von uns schon heute in irgendeiner Form nutzt: im iPhone, in Facebooks automatischer Übersetzung, Googles Spracherkennung oder Amazons Alexa.

Roboter werden mit Schmerz- und Belohnungssensoren gebaut und lernen, wie wir Menschen, nach dem Prinzip „Unangenehmes vermeiden. Angenehmes anstreben“. Wenn Sie einem Roboter einen Tritt geben, lernt er also, Ihnen in Zukunft aus dem Weg zu gehen.
In absehbarer Zeit können wir Robotern außerdem schwierige manuelle Tätigkeiten beibringen, in dem wir ihnen vorzeigen, was sie tun müssen, und sie uns nachahmen bis sie es von selbst können. Ungefähr 10% der Arbeitsplätze könnten dadurch ersetzt werden.

Schmidhubers Lebensziel ist, die Entwicklung einer künstlichen Intelligenz, die klüger ist als er selbst, damit er in den Ruhestand gehen kann. Klingt beängstigend. Ist es scheinbar vor allem für Männer.

“Männer sind durch Künstliche Intelligenz viel leichter zu ersetzen als Frauen.”, sagt Schmidhuber.

Die Aussage, die für Lacher sorgt, erklärt er so: Viele Männer verfügen über eine Inselbegabung samt zugehörigem Tunnelblick. Sie können eine Sache wirklich gut, sind aber nicht allzu breit aufgestellt. Das macht sie anfälliger für Automatisierung.

Frauen sind eher universelle Problemlöser, denken komplexer und neigen zum Multitasking. Das kann uns ein Roboter nicht so leicht nachmachen.

Unterm Strich bedeutet das wohl: Roboter sind bei ganz spezifischen und spitzen Problemstellungen besser als bei allgemeinen, vielschichten und breitgefächteren Problemen.
Sie werden uns also nicht so schnell überall ersetzen. Das ist zumindest die leise Hoffnung, die mir nach dem Vortrag blieb.

New Work aus der Sicht einer Top-Personalerin

Janin Kugler, die Personal-Vorständin der Siemens AG, bricht eine Lanze für Diversität und stellt den Mensch in den Mittelpunkt von New Work.

Aus Anderssein erwächst Kraft.“, sagt sie.

Wir haben jahrhundertelange mit den Händen gearbeitet, dann mit dem Kopf und heute müssen wir auch mit dem Herz arbeiten. Das Herz ist das einzige, was Menschen von Maschinen unterscheidet. Was wir arbeiten, wie wir arbeiten, aber vor allem WARUM wir arbeiten, wird immer essenzieller.

Wie wichtig es ist, eine Balance zu finden zwischen „neuer und alter Welt“, veranschaulicht sie am Beispiel der so oft propagierten Agilität und dem Bau von Flugzeugen. Frage ins Publikum:

„Wer glaubt, dass man ein Flugzeug agil entwickeln und bauen kann?“
90% der Teilnehmer heben ihre Hand.

„Und wer möchte in einem agil gebauten Flugzug fliegen?“
Kaum mehr eine Hand in der Luft.

Agilität macht im Innovationsprozess und in der Entwicklungsphase absolut Sinn. Wenn es aber um Sicherheit geht, braucht es klare Vorgaben, Standards, Routinen und Vorschriften. So wechseln Momente und Situationen, in denen wir Neues zulassen, und Momente, in denen Prozesse eingehalten werden müssen.

Führungskräfte müssten lernen anders zu führen: Weniger Hierarchie, mehr Dialog. Alle ins Unternehmen einbinden. Jeden Menschen nach seinen Bedürfnissen und Fähigkeiten leiten, den passenden Freiraum geben und ermutigen. Klarheit haben, wer welchen Beitrag leisten kann.

Und noch ein spannender Tipp von ihr:
Holen Sie sich jemanden ins Team, den Sie schwer aushalten“.
Viele machen den Fehler, sich lauter kleine „Mini-Mes“ ins Boot zu holen. Heterogene Teams sind aber in der Regel produktiver und liefern deutlicher bessere Ergebnisse.

Die beruhigende Message: Maschinen können uns viel abnehmen und auch helfen, Dinge einfacher und schneller zu erledigen. Aber der wichtigste Erfolgsfaktor ist und bleibt der Mensch.

New Work aus Sicht eines der erfolgreichsten Unternehmer Deutschlands

Götz Werner ist Gründer und Aufsichtsratsmitglied des Unternehmens dm-drogerie Markt und setzt sich seit Jahren für das bedingungslose Grundeinkommen ein. Seine Rede ist ein Plädoyer für Menschlichkeit und dafür, das eigene Potenzial zu entfalten. In Schlagworten und Zitaten widergegben:

Jedes Unternehmen hat 3 Kunden:

  1. Mitarbeiter.
  2. Kunden
  3. Lieferanten

Wirtschaft bedeutet miteinander für andere tätig werden.
Ohne kreative Menschen, keine kreativen Lösungen.
Die Treppe muss von oben gefegt werden.
Eine Gretchenfrage: Ist der Mitmensch/Mitarbeiter Mittel oder Zweck?
Welche Rahmenbedingungen müssen geschaffen werden, dass Mitarbeiter nicht nur Kosten- und Risikofaktoren sind und nur ein Mittel, um Gewinne zu erzielen, sondern Mitarbeiter Menschen sind, die sich einbringen können und engagieren wollen.

Wir müssen den Begriff Arbeit anders denken:
Wo wird der Menschen gebraucht?
Wie können Betroffene zu Beteiligten werden?

Je mehr der Einzelne selbst sieht, was für andere notwendig ist, desto unternehmerischer wird er in seiner Arbeit sein. Bei dm ist es daher ausdrücklich gewünscht, dass die Filialen viele Entscheidungen selbständig und eigenverantwortlich vor Ort treffen.

Jeder Mensch ist ein Unternehmer, weil jeder Mensch, der wach genug ist, die Welt mit seinen Fähigkeiten verändern möchte. Wir sind auf die Welt gekommen, weil wir etwas vor hatten. In dem Moment, in dem wir das, was in uns steckt, in die Welt tragen, sind wir Schöpfer.

Träumen – denken – wollen – tun. Es braucht die Fähigkeit zu träumen, um Dinge tun zu können. Alles fängt mit dem Denken an: Beobachten Sie sich beim Denken.

Wie oft tun Sie Sachen, die Sie nicht selbst gedacht haben?
Dinge, die Ihnen nur vorgedacht oder aufgetragen wurden?

Burnout ist die Folge, wenn Sie ständig Dinge tun, die Sie nicht tun wollen.

Wer will, findet Wege, wer nicht will, findet Gründe. Mit einem bedingungslosen Grundeinkommen würden viele Ausreden wegfallen. Wir könnten es uns nicht mehr so leicht in einer Opferhaltung gemütlich machen – a lá „“Das muss ich ja machen.“ und „Da kann ich eh nichts ändern.“
Auch für Arbeitergeber wird es schwieriger, Mitarbeiter zu halten. weil mehr Menschen eine Wahl hätten und Nein sagen könnten.

Die Arbeit und das eigene Tun muss Sinn macht, damit Menschen motiviert arbeiten.

New Work aus Sicht eines Unternehmers und eines Priesters

Last but not least noch ein Auschnitt aus dem Vortrag von Bodo Janssen, Chef der Upstalsboom Gruppe, und Pater Anselm Grün.

Bodo Janssen pflegte das Unternehmen nach Zahlen zu steuern, Kontrolle auszuüben und Mitarbeiter als Mittel zum Zweck des Unternehmenswachstums zu betrachten. Nach einer Mitarbeiterbefragung 2010, in der sich die Angestellten vor allem einen anderen Chef wünschten, flüchtete Janssen ins Kloster und erkannte: Nur wer sich selbst führen kann, kann andere führen.

97% aller Führungskräfte halten sich für gute Chefs. Doch rund jeder zweite Angestellte hat schon einmal wegen seines Chefs gekündigt.

Ehrliche Selbstreflexion und spirituelles Führen – Führen mit Sinn und Menschlichkeit – wird immer wichtiger. Wenn man etwas verändern möchte, dann muss man sich bei sich selbst anfangen:

  • Wohin führe ich mich?
  • Was entspricht meinem Weg?
  • Warum und wofür stehe ich jeden Tag auf?

Pater Anselm Grün spricht über die Kraft der Rituale. Beispielsweise in der Früh ein Segensritual zu machen: Menschen, mit denen und für die wir arbeiten, gedanklich zu segnen.
Wie wir Mitmenschen erleben hängt von inneren Bildern ab. So begenen wir in der Arbeit gesegnten Menschen.

Er rät auch morgen und abends zu einer Zeit der Stille.

Ein Ritual bei Uppstalsboom ist eine Übung, in der sich jeweils 4 Personen in 20 Minuten gegenseitig folgende 3 Fragen beantworten:

  • Wer bin ich?
  • Was macht mich einzigartig?
  • Warum bin ich heute hier?

Was ich persönlich sehr spannend fand:
Bei Upstallboom basieren Ziele nicht mehr auf wirtschaftlichen Zahlen. „Wirtschaftlichkeit ist die Basis unseres Handelsn, aber nicht der Sinn unsere Tuns.“, sagt Jansen und zitiert Götz Werner: „Kümmere dich um die Menschen, dann kümmern sich die Ergebnisse um sich selbst.“

Jeder Upstallboom Mitarbeiter definiert seine persönlichen Erfolgsfaktoren und Erfolgskennzahlen. Jeder hat die Freiheit, das zu leben, was ihm wichtig.

“Wenn jemand keine gute Arbeit leistet, hat das Gründe,”, sagt Janssen. Oft ist ein Mitarbeiter einfach nur am falschen Platz. Einen Pinguin kannst du nicht auf einen Baum jagen. Statt Mitarbeitern vorzuschreiben, was sie tun sollen, gilt es, sie zum Wollen zu führen.

Es braucht ein gemeinsames Verständnis:

  • Wofür setzen wir uns ein?
  • Was sind unsere gemeinsamen Werte?
  • Wie und wo kann jeder seine Talente und Stärken einbringen?

Falls Sie sich fragen, was bei so einer spirituellen und menschlichen Unternehmensführung rauskommt, ein paar Zahlen, die ich über den Upstallboom Weg finden konnte:

  • In vier Jahre verdoppelte sich der Umsatz auf 42 Millionen Euro.
  • Die Krankheitsquote sank von 7% auf unter 3%
  • Die Mitarbeiterzufriedenheit stieg um ca. 80 Prozent.
  • Die Weiterempfehlungsrate der Gäste stieg von 92% auf 98%
  • Die Anzahl der Bewerber stieg um 500%

Kurz: Ergebnisse, die sich sehen lassen können.

Mein Fazit aus der New Work Experience 2018

Natürlich waren auf der New Work Experience auch typische Schlagworte zu hören wie: flache Hierarchien, flexible Arbeitszeiten, Home Office, Teilzeit, familienfreundliche Arbeit, Digitalisierung, Agilität, Coworking Spaces.

In erster Linie ging es aber um die Einstellung, mit der wir in Zukunft arbeiten, um den Sinn hinter unserem Tun sowie um Menschlichkeit und ein neues Menschbild in der Wirtschaft.

Darum, dass Unternehmen und Führungskräfte mehr und mehr gefordert sind, die Individualität, die Eigenverantwortung und das Potenzial ihrer Mitarbeiter aktiv zu fördern. Weniger zu managen, sondern mehr zu führen, für eine gemeinsame Vision und ein Warum zu sorgen, die Zusammenarbeit zu orchestrieren und das Wir-Gefühl zu stärken.

Darum, dass sich immer mehr Menschen fragen dürfen bzw. es sich leisten können zu fragen: Was will ich wirklich tun? Wofür will ich meine Zeit, Energie und Nerven einsetzen? Wie kann ich glücklich und sinnerfüllt arbeiten? Und wo kommen meine Stärken und Talente am besten zum Einsatz?

Haben Sie Ihre Antworten schon gefunden?
Wenn nicht, kann ich Sie beruhigen: Friedhof Bergmann sagt, das Schwierige an New Work ist, dass die meisten Menschen überhaupt nicht wissen, was sie wirklich, wirklich wollen und wo ihre eigenen Potenziale liegen. Erziehung, Gesellschaft, hinderliche Glaubenssätzen usw. tragen ihren Teil dazu bei, dass wir uns selbst nicht gut genug kennen. Falls Sie Klarheit über Ihre einzigartigen Stärken und Talente gewinnen wollen, hilft eine Potenzialanalyse.

Go for flow!
Su Busson

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