Nichtwissen

Nichtwissen ist ein guter Anfang, um Klarheit zu finden

Ein Satzanfang kommt mir im Coaching häufig zu Ohren „Ich weiß nicht, …“. Gefolgt von Worten wie:

  • in welche Richtung es gehen soll.
  • welche Schritte ich als Nächstes setzen muss.
  • wie ich (wir) ein Ziel erreiche(n).
  • wie ich (wir) dieses Problem lösen kann (können).
  • wie ich mich entscheiden soll.

Und in aller Regel ist damit Stress verbunden. Nichtwissen fühlt sich nicht gut an.

Nichtwissen scheint ein Problem zu sein

In einem Zustand des Nichtwissens fühlen sich viele Menschen äußerst unwohl. Wir wollen möglichst Klarheit und Sicherheit darüber haben, wie es weitergeht, was passieren wird und was zu tun ist. Ungewissheit verursacht Stress und das Gefühl, keine Kontrolle zu haben.
(In Wahrheit sind es natürlich unsere Gedanken, die den Stress verursachen und nicht die Ungewissheit an sich. Und in Wahrheit haben wir ohnehin keine Kontrolle, aber eben gerne die Illusion von Kontrolle.)

In jedem Fall sollten wir uns mit diesem Zustand besser anfreunden, denn wir werden heute öfters mit dem Thema Nichtwissen konfrontiert als uns lieb ist.

Die heutige VUKA Welt

Modern ausgedrückt leben wir in einer VUKA-Welt.

V steht für Volatilität– Dinge verändern sich schneller, häufiger und umfassender als früher. Oft sprunghaft und schlagartig. Von jetzt auf gleich kann alles anders sein.

U steht für Unsicherheit – die Zukunft ist immer weniger absehbar und planbar. Die meisten Vorhersagen sind so sicher wie längfristige Wetterprognosen. Das gilt auch für unser privates und berufliches Leben.

K steht für Komplexität – alles ist immer vernetzter, miteinander verwoben und verknüpft und steht in Wechselwirkung. Damit wird alles undurchschaubarer. Eine klare Ursache und eine klare Wirkung sind kaum mehr abzuleiten. Beobachtungen aus der Vergangenheit lassen noch lange nicht auf die Zukunft schließen.

A steht für Ambiguität – wir leben in einer Welt voller Mehr- und Doppeldeutigkeiten. Es gibt immer seltener eindeutige Lösungen für ein bestehendes Problem. Innere Zerrissenheit ist oft die Folge. Weniger entweder oder, mehr sowohl als auch – selbst wenn das einen Widerspruch in sich bedeutet.

Kurz: VUKA ist gleich mehr Nichtwissen.

Eine Welt voller Möglichkeiten

Außerdem leben wir heute in einem Schlaraffenland voller Möglichkeiten. Noch nie konnten wir so viel entscheiden wie heute. Noch nie hatten wir – zumindest theoretisch – so viele Optionen zur Auswahl. Das betrifft unseren beruflichen Weg, die eigenen Karriere- und Weiterentwicklungsoptionen, genauso wie verschiedenste Familienmodelle, Millionen an Bildungs-, Sport- und Freizeitangeboten und so weiter.

Was wie ein Honiglecken klingt, hat einen großen Haken: Wer die Wahl hat, hat die Qual. Es wird schwieriger zu wissen und zu entscheiden, was man selbst will – wirklich will. Noch dazu, wo wir ständig überall hören und lesen, wie wir zu sein und zu leben haben und was wir nicht alles brauchen, um glücklich und erfolgreich zu sein.

Kurz: Viele Möglichkeiten führen oft zu Nichtwissen.

Eine Welt voller Informationen

Eines der größten Hindernisse, unsere innere Weisheit und unser Navi zu hören, ist die Informationsflut, der wir heutzutage ständig ausgesetzt sind. Radio, Fernsehen, Printmedien, Internet, E-Mail, andere Menschen – unzählige Informationen und Meinungen, die nicht von außen auf uns einprasseln. Heute hören wir ständig irgendwo, was gut, richtig und wichtig ist, wie man zu leben hat und welche Ziele erstrebenswert sind. Das passiert oft so subtil, dass wir es gar nicht bewusst mitbekommen, trotzdem wirkt, beeinflusst und verwirrt uns dieser Overflow.
Kein Wunder, dass wir schon fast verlernt haben, in uns hineinzuhören, um unsere wahren Empfindungen und Bedürfnisse festzustellen und danach zu handeln. Wenn es außen zu laut ist und zu viele Informationen auf uns einströmen, ist es schwierig, die vergleichsweise leise innere Stimme zu hören. Wer sich nie oder wenig Zeit nimmt, für sich allein zu sein, oder wer dazu neigt, ständig die Meinung anderer Menschen einzuholen, verliert ganz leicht den Draht zu seiner inneren Weisheit.

Kurz: Die Informationsflut führt zu mehr Information und gleichzeitig oft zu Nichtwissen.

Dem Nichtwissen entkommen wollen

Was auch immer die Ursache ist: Viele Menschen versuchen dem Nichtwissen zu entkommen, in dem sie nachdenken. Sie grübeln, zerbrechen sich den Kopf, spielen alle möglichen Szenarien im Geist durch – und drehen sich dabei in aller Regel gedanklich im Kreis . So entsteht Stress, innere Verwirrung und Zweifel. Die Lösung scheint immer unklarer.

Andere Menschen neigen eher dazu, einfach mal irgendetwas zu tun, beschäftigt zu sein und im schlimmsten Fall in blinden Aktionismus zu verfallen, in der Hoffnung dadurch das Nichtwissen zu beenden. Sie handeln angstbesetzt statt inspiriert.

Aber was, wenn Nichtwissen in Wahrheit kein Problem ist, dem es möglichst schnell zu entkommen gilt, sondern die beste Ausgangsbasis, damit die richtigen Antworten und Lösungen auftauchen können? Was wenn Nichtwissen ein guter Anfang ist?

Nichtwissen annehmen

Nur wenn wir ständig nachdenken und grübeln über das, was wir im Moment nicht wissen, entsteht Verwirrung, Unischerheit und Zweifel. Nur wenn wir rennen, ohne eigentlich zu wissen wohin, verrennen wir uns.

Wenn Sie hingegen Nichtwissen einfach erst einmal annehmen – ohne sofort eine Lösung zu wollen –, wenn Sie langsamer werden, abwarten, dann und nur dann kann der Kopf zur Ruhe kommen.

Sobald der Kopf ruhiger wird, können Sie Ihr innere Weisheit (wieder) hören – die leise Stimme Ihrer Intuition. Sie finden Zugang zur universellen Intelligenz, die alles Leben steuert. Schaffen Raum für Einsichten, Inspiration und Geistesblitze.

Der menschliche Mind ist auf natürliche Weise so angelegt, das neue Gedanken und Wissen auftauchen. Wir neigen nur dazu, den “Zufluss” zu verstopfen, weil wir ständig in unserer eigenen Gedankensuppe schwimmen. Wir blockieren mit unserer Denkerei den Flow und machen uns selbst Stress.

Der nächste Schritt

Wenn Sie in einer Phase des Nichtwissens stecken, ist es kontraproduktiv, kilometerweit vorausschauen zu wollen. Sie müssen sich jetzt nicht den Kopf über die Zukunft zerbrechen und auch nicht darüber nachdenken, wie Sie ein bestimmtes Ziel erreichen können.

Es reicht aufmerksam zu sein und achtsam, was direkt vor Ihrer Nase passiert. Das Leben lots Sie im Hier und Jetzt. Antworten finden Sie im Hier und Jetzt.

Manchmal geschieht das durch kleine Zeichen oder Winks – sei es durch Menschen, die Ihnen begegnen, sei es durch einen inspirierenden Film, ein gutes Buch, das Ihnen „zufällig“ in die Hände fällt, ein Lied im Radio oder sonstige Hinweise, die Sie ein Stück weiterbringen. Plötzlich wissen Sie einfach, was jetzt der nächste Schritt ist – und das genügt. Manchmal ist sogar mit einem Schlag “alles” klar oder die Lösung liegt auf der Hand.

Manchmal läuft es weniger magisch und Sie haben einfach das Gefühl oder die leise Ahnung, was jetzt als Nächstes zu tun ist – auch wenn Sie nicht immer wissen, warum und wieso.
Als Faustregel gilt: Wenn sich etwas gut, richtig und stimmig anfühlt, tun Sie es. Wenn sich etwas nicht gut, nicht richtig oder nicht stimmig anfühlt, tun Sie es nicht.

Nichtwissen ist somit nicht länger ein Problem, das sofort behoben werden muss, sondern ein Anfang. Der Beginn einer neuen Klarheit. Wenn Sie sich erlauben, nicht zu wissen, dann machen Sie Platz für den Teil in Ihnen, der weiß. Sie öffnen den Raum für neue Ideen, für neue Lösungen und für echtes Wachstum.

Go for flow!
Su Busson

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