Überforderung

Überforderung vs. das Gefühl, überfordert zu sein

Kennen Sie das Gefühl überfordert zu sein?

In meiner Arbeit mit ambitionierten, unruhigen Geistern ist das jedenfalls ein Problem, das häufig zur Sprache kommt. Ein Problem, das auch mir persönlich wohlbekannt ist. 

Bevor wir uns nach Lösungen umsehen, ein wenig Wortklauberei.

Wikipedia definiert Überforderung so: 
Als Überforderung bezeichnet man eine Gesamtheit von Anforderungen, zu deren erfolgreichen Bewältigung die Ressourcen bzw. Fähigkeiten einer Person nicht ausreichen.

Weniger sperrig, klingt das so:
„Ich schaffe das (was auch immer das ist) nicht.“

Ein bedeutender Unterschied ist dabei allerdings, ob Sie tatsächlich überfordert sind oder sich überfordert FÜHLEN.

Ja! Sie können sich überfordert fühlen, OHNE überfordert zu sein.
Und Sie können überfordert sein, OHNE sich überfordert zu fühlen. 

Dröseln wir das auseinander.

Das Gefühl der Überforderung

Als menschliche Wesen übersehen wir so leicht, wo unser inneres Erleben herkommt. Woran ich Sie daher immer und immer wieder erinnere: 
Wir fühlen nicht die Welt, wir fühlen unser Denken. 

Das heißt: Ein GEFÜHL der Überforderung entsteht ausnahmslos durch momentane – bewusste oder unbewusste – überfordernde und belastende Gedanken. Das hat nichts mit der Außenwelt zu tun. Nichts damit, wie viel oder wenig Sie zu tun haben. Nichts mit Ihren Fähigkeiten und damit, was Sie tatsächlich schaffen können oder nicht.

Nehmen wir ein klassisches Beispiel: 
Sie werfen einen Blick in Ihren Terminkalender und sehen dort für die kommende Woche unzählige Termine und To-dos. Bei diesem Anblick denken Sie, dass Ihnen alles viel zu viel ist, Sie das nicht schaffen werden und die nächste Woche ein Alptraum wird. Die hohe Anzahl der Meetings und Aufgaben überfordert Sie und verursacht Ihren Stress, denken Sie. 

Überfordert sein

Tatsache ist: 
Sie schauen auf ein Blatt Papier (bzw. Ihre Kalender-App), wo schwarz auf weiß irgendetwas steht. Nichts davon kann ein GEFÜHL in Ihnen auslösen. Auch Meetings und Aufgaben können kein GEFÜHL in Ihnen auslösen – schon gar nicht, wenn sie JETZT gar nicht stattfinden bzw. dran sind.

Gefühle entstehen in Ihnen und sind „nur“ eine Reflexion Ihrer Gedanken. (Das bedeutet nicht, dass sich das nicht äußerst unangenehm und real anfühlen kann. Sondern nur, dass die Ursache nicht dort zu finden ist, wo wir sie üblicherweise suchen.)

NEIN, Sie müssen Ihr Mindset nicht verändern und positiver denken. 
(„Wow, die kommende Woche wird sicher großartig.“ oder auf Super(wo)man: „Ich schaffe alles“). 

Sie müssen Ihre Gedanken nicht kontrollieren und verändern.
Und Sie dürfen fühlen, was immer Sie gerade fühlen. 

Was allerdings wirklich hilfreich ist: zu erkennen, wo Ihr Gefühl der Überforderung tatsächlich herkommt. Sonst kämpfen Sie nämlich gegen Windmühlen (wie z. B. volle To-do Listen und Terminkalender).

Bleiben wir bei unserem Beispiel: 
Sie erleben Ihr Denken in diesem Moment und Sie projizieren alles Mögliche auf die Woche. Das sagt aber letztlich NICHTS darüber aus, wie Ihre kommende Woche tatsächlich wird. Nichts darüber, wie Ihre Termine, Meetings und Aufgaben laufen werden. Und schon gar nichts darüber, wie Sie sich nächste Woche fühlen werden.

Sie erleben immer nur den jeweiligen Augenblick. Immer nur Jetzt. 

Was Sie die kommende Woche fühlen, hängt einzig und allein davon ab, was Sie im jeweiligen Moment denken. Und Gedanken verändern sich – von Natur aus. Sie sind ungefähr so substanzlos und vergänglich wie Morgennebel. Je lichter der Nebel, desto klarer und präsenter sind Sie im jeweiligen Augenblick – und desto besser läuft es in aller Regel.

Manchmal bleiben wir nur in unseren eigenen Gedankenmustern hängen. 
Wie bei einer Schallplatte mit Sprung laufen dann beispielsweise Gedanken wie „Ich bin so im Stress, mir ist alles viel zu viel“, „Ich schaffe das nie”, „Das geht sich alles nicht aus“, „Ich hab einfach nicht genug Zeit“, „Ich kann das nicht“ oder „Ich bin nicht gut genug“ in einer Endlosschleife. 

Dazu erfindet der Kopf dann auch noch gerne alle möglichen Geschichten, was nicht alles passieren wird, weil wir eben nicht alles auf die Reihe bekommen (wie wir denken, es auf die Reihe bekommen zu müssen). 
Daraus resultiert ein permanentes Gefühl der Überforderung.

Der Großteil dieser Gedanken und Gedankenschleifen ist nicht wahr. 

Was für mich viel eher wahr erscheint:

  • Sie müssen niemals mehr bewältigen als diesen Moment. Einen nach dem anderen. Und diesen Moment können Sie bewältigen.
  • Sie müssen nicht alles auf einmal machen.
  • Sie müssen nicht mehr tun, als Sie jetzt tun können. 
  • Sie haben mehr Möglichkeiten und mehr Potenzial in sich als Sie denken.
  • Die Welt geht nicht unter, wenn Sie nicht alles schaffen, was Sie denken, schaffen zu müssen. (Mit etwaigen Konsequenzen können Sie umgehen. Noch einmal: Sie haben mehr Möglichkeiten und mehr Potenzial in sich als Sie denken.)
  • Sie müssen, nicht alles so perfekt machen, wie Sie denken, es machen zu müssen.(OK, Perfektionismus ist ein eigenes Thema, um das wir uns demnächst kümmern werden).
  • Und meist kommt es ohnehin ganz anders als gedacht.

Dazu noch ein Beispiel aus der Praxis: 
Ich hatte unlängst eine Klientin, die sich völlig überfordert fühlte, weil sie aus Kostengründen ihre Homepage selbst programmieren musste – ohne Technikkenntnisse, und zwar binnen zwei Wochen. “Das kann ich nicht. Das schaffe ich nie.” , dachte Sie. (Was sie dabei vergaß, ist, ihre angeborene Fähigkeit zu lernen und in etwas besser zu werden, indem sie einfach damit beginnt und es tut. Eine Fähigkeit, die auch Sie haben).

Zwei Wochen später tauchte sie mit einem breiten Grinsen im Coaching auf. Sie hatte mehr oder weniger Tag und Nacht an ihrer Homepage gearbeitet, war total zufrieden mit dem Ergebnis und stolz auf sich. Was sie allerdings am meisten überraschte: Der ganze Prozess hat ihr einen RIESEN Spaß gemacht und sie war total im Flow. 

Ein schönes Beispiel dafür, wie schnell sich ein innerer Zustand verändern und sich ein Gefühl der Überforderung in Freude verwandeln kann.  
Und ein schönes Beispiel dafür, was realisierbar ist, wenn wir einfach das tun, was uns jetzt möglich ist.

Kommen wir zum anderen Fall: 

Tatsächliche Überforderung

Gemeint ist, dass Sie sich zu viel aufhalsen bzw. aufhalsen lassen. 
Manchmal ist die To-do-Liste tatsächlich zu lange für die Zeit, die Sie zur Verfügung haben, und der Terminkalender zu voll. Manchmal ist das Arbeitspensum wirklich zu hoch und Sie müssen reduzieren. Manchmal fehlen Ihnen im Moment tatsächlich Kenntnisse und Fähigkeiten, die Sie brauchen, um etwas in einem bestimmten Zeitrahmen zu schaffen.

OHNE Geschichte im Kopf ist aber nichts davon ein Drama. 
OHNE Geschichte im Kopf kein Gefühl der Überforderung. 

Mit einem klaren Kopf können Sie erkennen, wann Sie tatsächlich überlastet sind und was Sie verändern müssen.

Sie werden wissen, welche Prioritäten Sie setzen müssen und was der nächste Schritt ist. Sie werden wissen, was vielleicht gestrichen werden muss oder erst zu einem späteren Zeitpunkt realisierbar ist. Sie werden wissen, wen Sie vielleicht darüber informieren müssen, dass etwas mehr Zeit braucht als geplant. Nicht zu vergessen: wann Sie sich Unterstützung holen bzw. etwas delegieren müssen. 

Egal, was im Außen ist und was ansteht, Sie werden mit jeder Situation besser umgehen, wenn Sie nicht auf die Monster im Kopf hereinfallen und sich in Ihren momentanen Gedankenzirkus verstricken. Dann fallen Ihnen Lösungen ein, wie Sie am besten mit der Situation umgehen und was für Sie zu tun ist. Ohne Panik, ohne Kampf, ohne Drama. Und ohne Gefühl der Überforderung.

————-
Überforderung ist ein Dauerthema in Ihrem Leben und das soll sich möglichst schnell verändern? Antworten Sie mir auf dieses Mail und wir klären gemeinsam, ob und wie ich Sie am besten unterstützen kann.

Go for flow!

Flow-Experte
Follow me:

, , ,

Comments are closed.