Work-Life-Balance

Work-Life-Balance: 15 Tipps für mehr Ausgleich

Das Wichtigste zuerst: Die vielgerühmte Work-Life-Balance ist überbewertet.

In Wahrheit gibt es keine Arbeitszeit und keine Freizeit.
Alles was Sie haben ist Lebenszeit. Und alles was Sie letzten Endes wirklich wollen, ist, glücklich und erfüllt sein. Dem Himmel sei Dank können Sie das auch im Job.

Jedenfalls leben Sie in Ihrer “Work-Hälfte”: Ihr Herz schlägt, Sie atmen, Sie denken und fühlen. Arbeit ist ein Teil Ihres Lebens, kein Extra-Ding.
Und falls Ihr “wahres” Leben gefühlt nur außerhalb der Arbeit stattfindet, verschwenden Sie Ihre wertvolle Lebenszeit – daran wird auch ein bisschen mehr Freizeit nichts ändern.

Wenn wir den Begriff Work-Life Balance wörtlich nehmen, müssten wir die Zeit zwischen Beruf und Freizeit gerecht verteilen. Die Balance liegt bekanntlich bei 50:50. Die meisten Menschen können bei der Idee nur müde lächeln. Arbeit ist nun einmal nicht nur ein Teil, sondern ein großer Teil des Lebens.

Wie groß dieser Teil bei Ihnen sein darf, ist sehr individuell und abhängig von Ihren einzigartigen Anlagen, Ihren Werten, Ihrer Lebensphase, Ihrer Begeisterung und Leidenschaft für den Job und so weiter. Keiner kann Ihnen sagen, wie viel Privatleben Sie brauchen, um zufrieden und erfüllt zu sein. Ein gewisses Maß an Ausgleich und weitere Lebenssäulen neben dem Beruf sind allerdings für jeden höchst ratsam.

Von fehlender Work-Life-Balance sprechen wir hier, wenn die persönliche Verteilung gefühlsmäßig nicht mehr passt und die Freizeit zu kurz kommt. Aber wo hakt es?

Warum fehlt die Work-Life-Balance?

3 Gründe. 15 Tipps & Maßnahmen.

In meiner Coaching-Praxis tauchen 3 Gründe am häufigsten auf:

  • Vor lauter Arbeit bleibt nicht genug Zeit fürs Privatleben.
  • Es bleibt nicht genug Energie fürs Privatleben.
  • Es gibt kein Privatleben.

Manchmal ist es eine Mischung daraus. Je nachdem, wo der Hauptgrund liegt, sind andere Lösungsansätze hilfreich.

Grund Nr.1: Es bleibt nicht genug Zeit für Ihr Privatleben.

Das Essen bei Freunden, der Theaterabend, der Besuch im Fitnesscenter oder der Urlaub fällt wieder mal ins Wasser, weil Sie arbeiten müssen. Regelmäßig hocken Sie länger im Büro als geplant. Ihr Privatvergnügen hat Nachrang. Aber auch weniger vergnügliche To-dos kommen oft zu kurz: Der Schmutzwäschekorb quillt über. Die Wohnung verstaubt. Der Arztbesuch wird aufgeschoben. Vor lauter Arbeit bleibt keine Zeit für andere Lebensbereiche.

Tipp 1: Weniger ist mehr.

Das Grundübel steckt oft in der Überzeugung, viel und lange arbeiten zu müssen, um viel zu schaffen und zu erreichen. Im Glauben, es ginge einfach nicht anders. Oder in so fatalen Weisheiten wie “Zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen.”

Später habe ich dann genug Zeit, um all das zu tun, was ich tun möchte. So der Gedanke. Der Haken daran: Später kommt nie.

Es gibt immer irgendeinen Grund, länger zu arbeiten und (noch) mehr zu tun.
Es gibt immer etwas, das Sie noch tun müssten, sollten, könnten und nie genug Zeit für alles.

Erinnern Sie sich immer wieder daran: Auf Dauer schaffen Sie mehr, wenn Sie weniger tun. Sie brauchen Pausen, um effizient und effektiv arbeiten zu können. Niemand hat etwas davon, wenn Sie viel Zeit arbeitend verbringen und immer leer und ausgebrannter sind, immer müder und unproduktiver. Gehen Sie mit gutem Beispiel voran und zeigen Sie, dass mit weniger mehr geht.

Tipp 2: Prioritäten setzen

Um weniger zu arbeiten und trotzdem viel zu schaffen, brauchen Sie vor allem eines: glasklare Prioritäten. Das Eisenhower-Prinzip hilft, Wichtiges von Unwichtigem, Dringendes von Nicht-Dringendem zu trennen und Überflüssiges zu identifizieren.

Gerade wenn Ihre Work-Life-Balance zu wünschen übrig lässt, müssen Sie allerdings das Ganze im Auge behalten: nicht nur Ihre beruflichen Aufgaben, sondern Ihr Leben. An dem Punkt lohnt es sich, Ihre Lebensvision und Ihre Mission zu (er)kennen und klare Werte zu haben. Zu wissen, was Ihnen in Ihrem Leben wirklich wichtig ist.

Sie können aber auch kleiner anfangen. Damit, neben Ihren beruflichen Aufgaben auch Ihre privaten To-dos zu priorisieren. Gemeint sind nicht nur Ihre Verpflichtungen, sondern vor allem auch das, was Sie in Ihrer Freizeit tun wollen.

  • Welche Aktivitäten, Erlebnisse, Erfahrungen, Highlights oder To-dos brauchen Sie jetzt für eine bessere Work-Life-Balance?
  • Was fehlt Ihnen derzeit in Ihrer Freizeit wirklich? Wofür nehme Sie sich nie Zeit, obwohl Ihnen das wichtig ist?
  • Was muss neben der Arbeit am Programm stehen, damit Sie sich ausgeglichener fühlen?

Schreiben Sie erst einmal alles auf, was Ihnen dazu einfällt und sortieren Sie dann aus, was Ihnen jetzt und in nächster Zeit am wichtigsten ist.

Tipp 3: Zeit freibekommen

Womit verbringen Sie Ihre Zeit? Und womit verschwenden Sie sie? Hier geht es um Aktivitäten, die Ihnen weder Freude machen, noch gut tun, noch wesentlich sind oder einfach sein müssen.

Falls Ihnen die Antwort schwer fällt, machen Sie sich die Mühe und schreiben Sie einige Zeit genau auf, was Sie wann und wie lange tun. Sie werden “Zeitkiller” finden. Sowohl im Job als auch im Privatleben.

Streichen Sie diese überflüssigen Zeitkiller, um Freiraum für Ihre definierten Prioritäten zu schaffen.

Tipp 4: Ein fixes Arbeitsende festlegen

Legen Sie Anfang der Woche, am Vorabend oder in der Früh desselben Tages fest, wann Sie spätestens aufhören zu arbeiten. Und halten Sie sich so gut es geht daran.

Viele haben ein schlechtes Gewissen, wenn Sie nicht ewig im Büro sitzen, früher Schluss machen als andere, pünktlich den Stift fallen lassen. Wie schaut das denn aus? Was werden die anderen denken?
Denken Sie an Ihre neue Devise: Weniger ist mehr.

Oder leiden Sie unter dem klassischen Phänomen? Kaum wollen Sie gehen, kommt irgendetwas dazwischen. Die Aufgabe, die unbedingt noch erledigt gehört. Der Kunde, der noch heute auf eine Antwort wartet. Der Kollege, der dringend Hilfe braucht.

Deaktivieren Sie wenigstens den Autopiloten und entscheiden Sie bewusst, ob Sie tatsächlich länger arbeiten wollen oder Sie sich an Ihren Feierabendplan halten.

Je klarer Sie innerlich sind, dass Ihnen Freizeit zusteht, Ihnen gut tut, Sie besser und produktiver macht, desto seltener wird Ihnen irgendjemand oder irgendetwas einen Strich durch den geplanten Büroschluss machen. Das ist das Gesetz der Resonanz.

Tipp 5: Private Termine vereinbaren

Tragen Sie Dinge und Aktivitäten, die Ihnen wichtig sind und für die Sie sich Zeit nehmen wollen in Ihren Kalender ein – und zwar bevor sie Ihre restliche Zeit verplanen. Fixe Termine – auch private Termine – helfen Ihnen, das Wesentliche nicht immer wieder aufzuschieben.

Selbst wenn Sie einfach nur Zeit für sich selbst haben wollen, reservieren Sie dafür ein Zeitfenster in Ihrem Kalender und nehmen Sie das Rendezvous mit sich so ernst wie jeden anderen wichtigen Termin.

Der Termin-Trick hilft auch beim Arbeitsende. Wenn unmittelbar nach dem geplanten Arbeitsschluss ein Termin im Kalender steht, machen Sie wesentlich leichter Schluss.

Tipp 6: Nein sagen lernen

Ihre Prioritäten – egal ob berufliche oder private –, Ihre Termine und Ihr geplantes Arbeitsende können Sie nur einhalten, wenn Sie zu anderen Dingen Nein sagen. Schwerer noch, zu anderen Menschen Nein sagen. Wenn Sie damit so Ihre Probleme haben, lesen Sie bitte hier nach:
Nein-sagen lernen und öfters zu sich selbst stehen
4 Tipps, um konstruktiv Nein zu sagen

Tipp 7: Qualität statt Quantität

Frust entsteht, wenn Sie sich zu viel auf einmal vornehmen. Unsere Zeit ist begrenzt, nicht alles ist machbar. Planen Sie lieber weniger und setzen Sie dafür auf Qualität. Auch in Ihrer Freizeit.

Eine halbe Stunde an der frischen Luft laufen zu gehen, ist besser als 2 Stunden im Fitnesscenter einzuplanen und nicht hinzugehen, weil Sie einfach nicht so viel Zeit erübrigen können. Eine Stunde mit Ihren Kindern zu spielen und dabei voll präsent zu sein, ist für alle befriedigender als ein ganzer Nachmittag, an dem Sie mit Ihren Gedanken ständig bei der Arbeit sind und alle per Minuten Ihre Mails checken.

Die Qualität scheitert allerdings oft an einem anderen Problem.

Grund Nr.2: Es bleibt nicht genug Energie für Ihr Privatleben.

Sie sind nach der Arbeit regelmäßig völlig gerädert, müde, lustlos oder unentspannt. Sie wollen nur noch Ihre Ruhe. Keine Nerven mehr für Ihre Kinder oder Ihren Partner. Keinen Bock mehr, auszugehen oder Freunde zu treffen. Keine Kraft mehr, etwas für Ihre Fitness zu tun. Oder Sie raffen sich zu irgendwelchen Aktivitäten auf, sind aber im Kopf noch bei der Arbeit. (Siehe auch Burn-Out Anzeichen)

Natürlich steht es Ihnen zu, einfach nur am Sofa zu sitzen, fernzusehen oder an die Decke zu starren. Aber auf Dauer geht auf diese Weise ein erfülltes Privatleben flöten – tschüss Work-Life-Balance. Schlimmer noch, Sie tanken nicht auf. Der Erholungsfaktor ist im Tun oftmals höher als im Nichtstun.

Schauen wir uns ein paar einfache Tipps an, wie mehr Energie für Ihr Privatleben bleibt.

Tipp 8: Mehr kurze Pausen in der Arbeitszeit

Wer durcharbeitet – vielleicht auch noch am Schreibtisch neben der Arbeit sein Mittagessen verschlingt – ohne Pausen zu machen, ist am Abend leicht gerädert. Machen Sie nach spätestens 90 Minuten eine kurze Pause. Und nach drei Stunden eine längere.

Ja, auch wenn irgendjemand deswegen schief schauen könnte. Denken Sie daran: Wer Pausen macht, arbeitet produktiver.

Tipp 9: Bewegung im Büro

Das gilt vor allem, wenn Sie ständig sitzen oder in einer bestimmten Position verharren. Stehen Sie dazwischen auf, gehen Sie herum, lüften Sie und schnappen Sie ein paar tiefe Atemzüge Frischluft, machen Sie zu Mittag einen kleinen Spaziergang und sei es nur rund um den Häuserblock.

Tipp 10: Ein Übergangsritual schaffen

Schaffen Sie sich ein Übergangsritual. Ein Ritual, mit dem Sie am Ende Ihres Arbeitstages den Tag abschließen und bewusst in Ihre Freizeit hineingehen.

Ich schließe meinen Tag damit ab, abzuhaken, was erledigt ist, und noch mal zu überprüfen oder gegebenenfalls neu zu planen, was morgen dran ist. Damit weiß ich heute schon, womit der nächste Arbeitstag beginnt. Das ist für meinen Kopf beruhigend und hilft mir, nicht ständig an offene To-dos zu denken. Dann klappe ich meinen Computer zu und räume meinen Schreibtisch auf. Das schafft noch mal Ordnung – und äußere Ordnung bringt innere Klarheit.

Vielleicht wollen Sie Ihren Nachhauseweg nutzen, um die Arbeit bewusst hinter sich zu lassen. Eine Runde Sport einlegen oder einen kleinen Spaziergang machen. Duschen. Oder einfach Ihr Gewand wechseln und Ihre Freizeitklamotten anziehen.

Tipp 11: Eine Verschnaufpause vereinbaren

Wenn Sie nach Hause kommen und erst einmal ein bisschen Zeit für sich brauchen, bevor Ihre Liebsten über Sie herfallen dürfen, vereinbaren Sie eine gewisse Übergangszeit. 15 Minuten, eine halbe Stunden oder sonst eine Zeit, die für alle Beteiligten machbar ist, in der Sie nur Ihr Ding machen können, ankommen, aufladen oder sonst etwas tun, das Ihnen gut tut.

Und dann sind Sie frisch für alle da.

Tipp 12: Etwas Freudvolles einplanen

Wenn nach dem Arbeitsende nur Verpflichtungen auf Sie warten, wundern Sie sich nicht, dass Sie dafür keine Energie mehr haben.

Planen Sie bewusst nach der Arbeit Highlights ein. Irgendetwas, auf das Sie sich wirklich freuen. Sie werden von Haus aus mehr Kraft dafür haben bzw. sich wesentlich leichter aufraffen können trotz Müdigkeit oder Lustlosigkeit aktiv zu werden. Und interessanterweise erwachen dann auch Ihre Lebensgeister wieder.

Tipp 13: Allgemeine Tipps für Ihr Energieniveau

Noch ein paar Basics, die ich nicht unter den Tisch fallen lassen kann, wenn es um mehr Energie geht: Achten Sie auf ausreichend Schlaf. Trinken Sie genug. Essen Sie nährstoffreich und vermeiden Sie Junk-Food und Zucker. Machen Sie irgendeine Form von Bewegung oder Sport. Gehen Sie raus in die Natur. Atmen Sie voll.

Alles ziemlich banal, ich weiß. Aber wenn Sie nicht auf die Grundbedürfnisse Ihres Körpers achten, dürfen Sie sich über Energiemangel nicht beklagen.

Grund Nr.3: Es gibt kein Privatleben.

Als kleiner Workaholic kenne ich das Problem aus eigener Erfahrung. Vor lauter Arbeit bricht das Privatleben immer mehr auseinander. Keine Zeit für Hobbys. Keine Zeit für Freunde außerhalb des Jobs. Keine Beziehung. Und irgendwann ist nichts mehr da.

Vielleicht haben Sie aber auch eine Scheidung oder einen Landeswechsel hinter sich und das bisher vorhandene Privatleben hat sich aufgelöst. Neues ist noch nicht in Sicht.

Damit entsteht leicht ein Teufelskreis: Wenn außerhalb des Jobs nichts Interessantes auf Sie wartet, arbeiten Sie eben länger. Mit dieser Strategie wird Ihr Privatleben allerdings nicht wachsen und gedeihen. Der Ausgleich fehlt.

Phasenweise ist das total in Ordnung. Auf Dauer allerdings ungesund.

Tipp 14: Ihr ideales Privatleben

Wenn Sie Ihr Privatleben reanimieren oder neu erschaffen müssen, haben Sie einen Vorteil: Alles ist offen. Sie können wählerisch sein, wie Sie Ihre Freizeit gestalten und mit wem Sie Ihre Freizeit verbringen möchten. Überlegen, experimentieren, ausprobieren.

Erinnern Sie sich daran, was Sie früher gerne unternommen haben und was Ihnen gut getan hat. Reaktivieren Sie alte Hobbys oder alte Bekannte. Oder lernen Sie etwas Neues.

Schreiben Sie sich noch heute einen Termin in Ihren Kalender, mit dem Sie den ersten Schritt zu einem erfüllenden Privatleben setzen (siehe Punkt 5).

Tipp 15: Inspiration holen

“Was möchte ich gerne in meiner Freizeit tun?”, “Was macht mir Spaß?” “Was könnte ich unternehmen?”

Viele Menschen sprühen bei diesen Fragen nur so vor Ideen und wissen nicht, wo sie anfangen sollen. Sie haben höchstens das Problem hat, nicht genug Zeit für ALLES zu finden.
Andererseits erlebe ich oft (wirklich oft) Menschen, die Ihr Privatleben lange brachliegen haben lassen. Viele stehen dann wie die Kuh vorm Tor, wenn es darum geht Ihre Freizeit zu gestalten. Sie haben vergessen, was sie interessiert, ihnen Freude macht, was sie gerne tun (abgesehen von Arbeit vielleicht.)

Nein, Sie müssen in Ihrer Freizeit nichts GROSSARTIGES tun. Ich liebe es zu lesen, Musik zu hören, zu meditieren, Freunde auf einen Café zu treffen. Fertig.

Wenn Sie mehr wollen und/oder Ihnen einfach die Ideen fehlen, holen Sie sich im Internet Inspiration. Zum Beispiel:

Um nur ein paar Inspirationsquellen zu nennen.

Balance ist nichts Statisches. Weder das Ausmaß an Freizeit, das Sie neben Ihrem Job brauchen, noch die Art und Weise, wie Sie Ihre Freizeit verbringen, ist in Stein gemeißelt. Sie können beides nach Ihren Bedürfnissen gestalten. Das gilt auch für Ihr Jobleben.

Und vergessen Sie dabei eines nicht: Letztlich geht es nicht darum, was Sie tun und ob Sie arbeiten oder freie Zeit haben. Letztlich geht es nur darum, im Hier und Jetzt präsent und glücklich zu sein.

Go for flow!
Su Busson

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